Sonntag, 14. September 2014

Kultur(schock)erlebnisse

Ich muss sagen, der Kulturschock als solcher ist diesmal im Vergleich zu meinem Thailandaufenthalt vor sechs Jahren noch relativ harmlos ausgefallen. Sofern er denn überhaupt vorhanden war. Denn schließlich liegt Taiwan in Asien und die Mentalität der in diesem Teil der Welt lebenden Menschen weist in vielerlei Hinsicht Parallelen auf. 
So hatte ich natürlich damit gerechnet, dass es hier "anders" und "komisch" sein würde; schlichtweg "asiatisch". Ich war einerseits gedanklich darauf eingerichtet, dass ich in Taiwan vermutlich auf eher zurückhaltend-höfliche Menschen treffen würde. Und dass ich mein Verhalten entsprechend würde ändern müssen, um nicht als "doofer Klischee-Ausländer" abgestempelt zu werden, der ja sowieso nur nach Taiwan gekommen ist, um sich zu amüsieren, sich über vermeindliche Unzulänglichkeiten zu beschweren oder der nicht im Geringsten wagt, sich kulturell anzupassen. Dieser Punkt ist vielleicht ein bisschen extrem dargestellt, aber so habe ich es von vielen Austauschschülern damals in Thailand erlebt. Und ich muss definitv hinzufügen, dass Taiwanesen sich grundsätzlich sehr offen und hilfsbereit gegenüber Ausländern zeigen, sofern man selbst mindestens genauso freundlich und respektvoll ist! Ich muss mir also nicht länger Sorgen machen, dass ich mich hier gnadenlos verlaufen werde. Denn sollte mein ausgezeichneter Orientierungssinn tatsächlich mal versagen, kann ich mit Sicherheit auf der Straße Menschen fragen, wie ich wieder nach Hause komme. Oder auf dem Campus (auf dem ich mich im Übrigen schon ein klitzekleines Bisschen auskenne!).
Andererseits ist "asiatisch" nahezu gleichbedeutend mit einer komplett anderen Esskultur. Nicht nur im Hinblick auf die Speisekarte sondern auch beim Essverhalten gibt es Unterschiede. In der Familie von Shompoo war es zum Beispiel so, dass normalerweise alles auf einem runden (in der Mitte drehbarem) Tisch stand, von dem sich dann jeder nehmen konnte, was er mochte. Das ist bei uns zwar ähnlich, aber die Auswahl hier war einfach viel größer. Verschiedene Gemüsegerichte, mit Tofu oder Fleisch, Tofuvariationen, Suppe(n), Meeresfrüchte und so weiter. Allerdings waren die Portionen kleiner als bei uns und nicht zuletzt war es eine riesige Familie. Aber auch im Restaurant bestellt man verschiedene Gerichte (grundsätzlich vorspeisengroß) die man dann miteinander teilt.
Ein anderer Aspekt der asiatischen Esskultur ist natürlich, dass man auch Außergewöhnliches isst. Neben Hühnerfüßen und -köpfen oder ganzen Fischen erwarten den mutigen und experimentierfreudigen Europäer Speisen, deren Verzehr von manch anderer Person als "oh Gott" oder gar "eklig" bezeichnet werden würde. Insbesondere findet sich solch abenteuerliches Essen auf den zahllosen Nachtmärkten. Einen davon habe ich gestern mit Eliezer (also meiner Mitbewohnerin) besucht. Wir hatten zunächst das Nationalmuseum besichtigt - sehr interessant und empfehlenswert, je nach dem was für eine Ausstellungen gerade dort sind (wir haben Taiwans Schwarze Jade, Ureinwohner Taiwans und Islam in Taiwan erwischt). Bei einem Kaffee beschlossen wir dann angesichts der fortgeschrittenen Stunde, auf einen Nachtmarkt zu gehen, weil man dort immer noch am günstigsten leckeres, traditionelles (und auch ausgefallenes) Essen bekommt. Ich nahm meinen Reiseführer (Danke, Robert&Roland! <3 ) zur Hand und wir entschieden uns schließlich für den HuaXi-Nachtmarkt und die Snake Alley. Das klang spannend und interessant und verrückt zugleich. Hier eine Auswahl der Dinge, die man hätte essen können:
getrocknetes Meeresgetier ...
Krokodil, Schildkröte ...



Füße, andere Körperteile, Innereien ...

Allerdings haben aber nichts davon probiert, keine Sorge! Wir haben nur entgeistert gestaunt. Wobei, Krokodil hätte uns schon interessiert. Oder die Schildkrötensuppe. 

...Schlange&Schlagenblut










Oder Schlangenfleisch. Aber leider war das sehr teuer und das war uns das Geld dann doch nicht wert, sodass wir uns etwas Alltäglicheres suchten. 
Das erste hier ist eher ein Nachtisch. Sieht vielleicht etwas eklig aus, aber die es ist waffelartiger Teig mit Süßkartoffelfüllung.


Das hier war Rettich (?) mit Tomate, Ei, Erdnüssen und Koriander. Sehr lecker!


Und zu guter Letzt ein kleines Stückchen Heimat. Durch Zufall in einer kleinen Bäckerei gesehen: Schokoladenbrot! Ist zwar nicht wirklich Heimat, weil ich das bei uns noch nie gesehen habe, aber immerhin Brot :D In verschiedenen Variationen. Mit Schinken/Käse, Kräuteraufstrich oder Kürbisstückchen. Auch cool!


Ich könnte jetzt ewig so weitermachen und Essen posten, aber dann wäre ich morgen früh noch zugange (dabei hab ich gerade erst halb 10). 
Mein Fazit ist jedoch, dass man hier so manche kuriose Sachen zu essen bekommen kann, die teilweise zwar befremdlich aber durchaus lecker sein können. Andere sind dagegen nicht ganz so ansprechend. Aber bislang bin ich immer noch satt geworden. Und ich habe noch lange nicht alles ausprobiert! Schließlich bleibt mir ja noch fast ein ganzes halbes Jahr, um das zu tun ;)




Freitag, 12. September 2014

Orientation Camp & neue Bekanntschaften

Die vergangenen drei Tage sind relativ schwer in Worte zu fassen, aber ich werde mein Bestes versuchen, euch sämtliche Ereignisse und Emotionen möglichst knapp zu schildern.
Fangen wir zunächst mit Mittwoch an. Nachdem ich vormittags einige grundlegende Besorgungen (wie Wischmopp, Putzlappen, Wäschekorb oder Klobürste) erledigt hatte, kam nachmittags gegen vier meine künftige Mitbewohnerin an. Ihr Name ist Eliezer, sie kommt aus Singapur, bleibt ein Semester, ist superlieb und süß und wir könnten theoretisch sogar Chinesisch miteinander reden :D 
das ist übrigens mein Wohnheim von außen
Als sie mit Auspacken fertig war, haben wir zusammen mit einem anderen Studenten aus Singapur (Felix) Bettzeug und anderes für die beiden gekauft. Danach waren wir zusammen auf dem Nachtmarkt, der hier rund um Universitäts-Campus und Wohnheimkomplex allabendlich stattfindet. Alles dort ist ziemlich günstig und vorwiegend geht man natürlich zum Essen hin, so wie wir. Gegen 21:00 waren wir zurück im Wohnheim und wollten eigentlich ausruhen, doch man lud uns spontan zu einer kleinen Party ein, die unten in der Lobby stattfand. Eine nachträgliche Feier des Vollmondfestes mit den traditionellen Mondkuchen, Ananas, Grapefruit (? - war wesentlich süßer als unsere Version, grüne Schale und innen gelb statt orange) und Getränken. Außerdem haben wir verrückte Spiele gespielt; das Resultat eines dieser Spiele ist auf Facebook gepostet - das Foto, auf dem einige von uns eine Grapefruitschale auf dem Kopf haben. Wir waren die Verlierer. Aber es hat sehr viel Spaß gemacht!
Am Donnerstag dann hatten wir eine Orientation, zu deren Veranstaltungsort auf dem riesigen Campus ich mir zunächst allein meinen Weg wurschteln musste. War im Endeffekt nicht allzu schwer zu finden, aber man weiß ja nie. Besonders bei meinem Orientierungssinn... Jedenfalls hat man uns auf diesem Treffen allerlei Nützliches und Unnützes erzählt hinsichtlich Einschreibung, Visum, Wohnen & Leben an der NTU, Studium und so weiter. Danach sollten wir eigentlich unsere jeweiligen "Buddies" kennenlernen, also Studenten von der NTU an die wir uns individuell wenden können, wenn wir mal irgendwo nicht hinfinden oder andere Probleme haben. Meiner ist jedoch leider nicht aufgetaucht. Ich stand also sinnlos mit einer Spanierin (Mari), drei Koreanern (deren Namen ich leider weder aussprechen noch schreiben kann) und einer anderen Deutschen (Jenny aus meinem Chinesischkurs an der RUB) herum und wir unterhielten uns, als plötzlich zwei "Red Shirts" auf uns zu kamen. Das sind quasi unsere Guides, Studenten von der NTU, die beispielsweise Campus Tour und Orientation organisiert haben oder uns Geheimtipps verraten (beispielsweise wo es Second Hand Matratzen für umsonst statt 30€ gibt). Die beiden fragten, ob wir spontan Lust auf einen kleinen Ausflug hätten. Und wir sagten natürlich nicht nein. Weitere Menschen wurden unterwegs aufgegabelt, sodass sich unser international kunterbunt gemischtes Grüppchen auf etwa 15 Studenten erweiterte. Man führte uns via MRT (die U-Bahn bzw. Straßenbahn hier in Taipeh) zu einer Seilbahnstation irgendwo außerhalb der Stadt und von dort aus ging es 30 Minuten lang mit der Bahn auf einen Berg hinauf. Die Aussicht auf der ganzen Fahrt und von dort oben war der Wahnsinn. Einfach unbeschreiblich schön. Man konnte ganz Taipeh überblicken, bei Nacht natürlich hell erleuchtet in verschiedenen Farben und als besonderes Highlight der grün-bläulich schimmernde 101. Richtig geil! Ich ärgere mich schwarz, dass meine Kamera leider unfähig war, ein anständiges Bild hinzubekommen. Alles was sie geschafft hat war schwarz mit vereinzelten hellen Punkten -.- Nachdem wir dort oben bei eindrucksvollem Ausblick unser Abendessen genossen und uns stundenlang über dies und jenes ausgetauscht hatten, sind wir zurück Richtung Wohnheim gefahren. Gegen 23:30 bin ich dann erschöpft aber zufrieden ins Bett gefallen^^
Heute Morgen musste ich leider um 7:30 schon wieder aufstehen, weil meine Campus Tour auf dem Plan stand.
sorry..  ich bin nicht so gut im Selfie machen, aber ...
... der Hintergrund war so toll und ich wollte Menschen im Foto
Die war ziemlich interessant, aber ich werde mich höchstwahrscheinlich trotzdem diverse Male verlaufen bevor ich tatsächlich weiß, wo ich hin muss. Der Campus hier ist einfach so wahnsinnig groß.. es gibt richtige Straßen, die von Autos benutzt werden können, einen riesigen Bereich für Sport mit Freibad, Fitnesshalle, diversen kleineren Räumen für verschiedene Kurse und einen ausgedehnten Außenbereich. Auch gibt es eine campuseigene Bank, eine Postbank, Campus-Polizei und verschiedene Mini-Supermärkte wie 7-Eleven oder Hi-Life, wo man einfach alles bekommen von Taschentüchern und Schreibwaren über Snacks und Getränke bis hin zu Kopier- und Fax-Service. Die Bibliothek ist natürlicht nicht weniger groß und bestens ausgestattet mit Literatur und klimatisierten Lernräumen. Und die Umgebung erst! Nicht etwa graue Betonklötze soweit das Auge reicht, wie ich es von Bochum gewohnt bin, sondern überall Bäume und Wiese und sogar ein See; einfach richtig schön und eine tolle Lernatmosphäre.

Nachdem wir also diesen eindrucksvollen Campus besichtigt hatten, haben uns unsere Gruppenführer direkt zur Einschreibung gebracht. Ich bin jetzt ganz offiziell Studentin an der NTU. Wenn ich es jetzt auch noch hinbekomme, meine gewünschten Kurse zu wählen, dann kann das Semester beginnen. Ach ja, und den Einstufungstest für Chinesisch am kommenden Sonntag möchte ich natürlich auch recht gut meistern, um ensprechend meinem Level einem Chinesischkurs zugeteilt zu werden.
Insgesamt habe ich in den letzten beiden Tagen unglaublich viele Leute aus den verschiedensten Ecken der Welt kennengelernt. Es sind verdammt viele Deutsche hier, kein Plan wieso. Und von allen, mit denen ich bisher Kontakt hatte, finde ich die Asiaten am aufgeschlossensten. Koreaner sind besonders freundlich und auch mit dem Japaner aus unserer Gruppe kam ich gut klar. Und mit den Taiwanesen sowieso, weil alle so lieb und hilfsbereit und vor allem knuffig sind. Sogar ihre Art Chinesisch zu sprechen ist weitaus niedlicher als das Mandarin der Festlandchinesen!
Kurz gesagt, gefällt mir das Land und seine Mentalität mit jedem Tag besser. Ich bin gespannt, was es mir noch bieten kann und welche versteckten Fleckchen es noch zu entdecken gibt. Aber eins wird es sicher nie werden: Langweilig. Dafür sind die Reisemöglichkeiten eindeutig zu vielfältig und die Menschen zu herzlich. Man muss Taiwan einfach mögen! Ist ja nicht umsonst "das Herz Asiens" :D












Dienstag, 9. September 2014

Was ein Tag...!

Wahnsinn. Nach einem relativ stressigen Tag bin ich nun endlich halbwegs angekommen. In Taipeh, wo ich das nächste halbe Jahr verbringen werde. Und ich bin erleichtert, dass am Ende doch alles recht glatt gelaufen ist. Denn zwischenzeitig war ich wirklich kurz davor, alles hinzuschmeißen und quasi den nächsten Flug nach Hause zu nehmen, weil alles plötzlich doof war. Aber von vorn:
Heute morgen sind wir um kurz nach 9 in Richtung Bahnhof gefahren, inklusive Riesenkoffer, der irgendwie innerhalb von 10 Tagen auf wundersame Weise gefühlt doppelt so schwer geworden ist. Hauptsächlich lag das wohl an dem Bettzeug, dass ich mit "Mama" auf dem Markt für mich gekauft hatte. Und auch daran, dass ich diesmal meinen Rucksack fast leer gemacht hatte, um möglichst wenig zusätzliches Gewicht auf dem Rücken zu haben. Naja, jedenfalls sind wir, also meine Schwestern und ich, mit dem Zug nach Taipeh gefahren. Nach etwa zwei Stunden und zweimal umsteigen (was mit dem Koffermonster gar nicht so einfach war), sind wir dort auch heil angekommen. Zur Uni beziehungsweise zum Wohnheim haben wir auch relativ problemlos gefunden, weil ein freundlicher Student uns angequatscht und den Weg gezeigt hat. Im Wohnheim angelangt musste ich dann erstmal Papierkram ausfüllen und hab dann auch relativ schnell meinen Schlüssel bekommen. Das Zimmer ist vergleichsweise groß und vor allem sauber. Außerdem wohne ich im dreizehnten (!) Stock und kann aus meinem Fenster gerade das hübsch beleuchtete abendliche Taipeh begucken. 
Alles in Allem klingt das also gar nicht so schlimm. Aber irgendwie hab ich mir halt wegen allem Sorgen gemacht. Dazu kam noch mein unglaublich schwerer Koffer und die Hitze und dass ich letzte Nacht nicht besonders gut geschlafen hatte. Außerdem war es mit dem Ausfüllen einiger Formulare an der Rezeption im Wohnheim noch lange nicht getan. Wir sind zig Mal hin und her gelatscht, weil wir meinen Pass und meinen Zulassungsbescheid zur NTU kopieren mussten. Dann waren wir noch bei der Bank, weil ich Geld wechseln musste, um die fast 10.000 yuan (250€ etwa) Kaution bezahlen zu können. Auch ist das Zimmer im Wohnheim nur mit dem Nötigsten ausgestattet. Eine Matratze habe ich zum Glück von einer ehemaligen Studentin geschenkt bekommen. Und einen Mülleimer habe ich auch schon. Allerdings brauche ich noch so Einiges, an das ich vorher gar nicht gedacht hatte. Darum werde ich mich aber morgen kümmern.
Dies alles summierte sich auf, da ich ohnehin schon angespannt und traurig gestimmt war (weil ich mich gerade bei Shompoos Familie angefangen hatte wohlzufühlen). Außerdem war ja noch gar nicht sicher, ob alles glatt laufen oder ob es Probleme geben würde. Und nicht zuletzt ist Taipeh eine so wahnsinnig riesige Stadt, dass ich immer noch verunsichert bin und Angst habe, mich hier alleine nicht zurechtfinden zu können. Ich glaube zwar, das kommt mit der Zeit von allein, aber trotzdem. Heute war eben noch alles ganz neu für mich und das stresst mich immer ein bisschen. Nichts Genaues zu wissen und einfach mal gucken zu müssen wie man was vielleicht eventuell machen kann oder auch nicht. In Bezug auf das Wohnheim hatte ich mir entsprechend auch Gedanken gemacht, ob ich Internet habe, um wenigstens Bescheid geben zu können, dass ich angekommen bin. Das ist zum Glück auch glatt gelaufen, nachdem ich an der Wohnheim-Rezeption so ein Internet-Kabel-Dingsi gekauft und nach einigem Rödeln zufälligerweise eigenständig eine Internetverbindung herstellen konnte. 

Entschuldigt bitte, wenn das jetzt alles ein bisschen verquer klang, aber ich habe eine heillose Unordung in meinem Kopf. Weil der Tag recht chaotisch war, weil hier alles noch so neu und unbekannt ist und vor Allem, weil ich noch nicht genau weiß, was in den nächsten Wochen so alles auf mich zukommen wird.
Ich versuche mal, ruhig zu bleiben und einfach abzuwarten. Morgen werde ich mich auf jeden Fall zunächst darum kümmern, meinen kleinen Haushalt hier angemessen mit allerlei Dingen wie Waschpulver, Wischmopp oder Kleiderbügeln auszustatten. Dann gucke ich mich mal hier in der Gegend um und irgendwann im Laufe des Tages sollte auch meine Zimmernachbarin eintreffen. Glaube ich zumindest.
Und ich bin sicher, dann sieht die Welt schon ganz anders aus. Das tut sie an und für sich jetzt schon. Die Dusche hat schon einiges herausgeholt und während ich hier geschrieben habe, bin ich ein bisschen zur Ruhe gekommen. Außerdem gibt es ja im Prinzip auch nichts mehr, das mich beunruhigen sollte. Schließlich hat alles im Nachhinein doch ganz gut geklappt. 
Ich bin wirklich froh, jetzt hier in Taipeh zu sein und kann es kaum erwarten, die Stadt auf eigene Faust zu erkunden!


Montag, 8. September 2014

Mondfestival

Ich muss sagen, ich bin ein bisschen enttäuscht vom heutigen Tag. Heute ist nämlich eigentlich ein Feiertag hier in Taiwan, das sogenannte Mondfestival 中秋節. Das ist immer Mitte Herbst, genau an dem Tag, an dem "der Mond am rundesten ist". Traditionell kommt an diesem Fest die ganze Familie zusammen, um zu essen und zu feiern. Man verschenkt Mondkuchen mit süßen oder deftigen Füllungen und Feuerwerk gibt es auch. So wird es jedenfalls immer beschrieben und im Chinesischunterricht haben wir Ähnliches darüber gehört. Entsprechend hatte ich erwartet, dass wir heute etwas ganz besonderes unternehmen werden würden. Dass am Abend noch mehr Familie zum Essen kommt als ohnehin jeden Tag. Dass wir Feuerwerk anzünden würden und dass es einige spezielle Gebräuche und Sitten geben würde, von denen man in der Literatur normalerweise nicht liest. Oder dass wir auch in einen Tempel gehen würden anlässlich des Mondfestes. Und die Stimmung hatte ich mir ähnlich chaotisch, laut und fröhlich vorgestellt wie bei uns in der Familie an Weihnachten.
Stattdessen ist nichts von alledem passiert. Mit der Ausnahme, dass draußen schon seit gestern fast ununterbrochen Feuerwerkskörper hochgehen, war dies für mich ein Tag wie jeder andere. Ich bin morgens ganz normal aufgestanden und nach dem Frühstück sind wir nach Taizhong in eine Shopping-Mall gefahren. Zwar inklusive Familienvater, der sonst nicht dabei ist, weil er immer arbeiten muss, aber trotzdem war der Ausflug nichts Besonderes fand ich. Zurück daheim sind wir abends wie gewöhnlich zu Amaa zum Abendessen gefahren. Auch hier keine Außergewöhnlichkeiten, sondern dasselbe sympathische Chaos wie die ganze letzte Woche über und genauso leckeres Essen wie immer. Auch Feuerwerk gab's nicht. Und um halb acht waren wir schon wieder zuhause.
Inzwischen kam mir das alles dann doch etwas merkwürdig vor und ich hab mal gefragt, ob wir denn gar nichts Besonderes unternehmen würden und hab erzählt, was ich eigentlich über das Mondfest gehört und gelesen hatte, dass wir aber eigentlich kaum etwas davon wirklich gemacht haben. Die Antwort auf meine Frage war recht einfach und nachvollziehbar, gleichzeitig aber auch traurig. 
Der Grund dafür, dass die Familie am Mondfestival dieses Jahr nicht so extrem viel gefeiert hat war schlicht und einfach, dass der Opa vor etwa einem halben Jahr verstorben ist. Entsprechend war verständlicherweise die Stimmung heute eher gedämpft.

So, nach diesem etwas traurigen Einstieg komme ich jetzt zum Positiven des heutigen und gestrigen Tages: Ich habe ein vorzeitiges Geburtstagsgeschenk bekommen, ein blaues kuscheliges Kissen mit Löchern zum Händereinstecken ^_^ !!! Total niedlich und völlig unerwartet. Ich war nämlich beim Kauf heute Nachmittag anwesend und meine Schwester hat eiskalt behauptet, sie würde das für sich selbst kaufen. Und zwar sehr überzeugend! Umso mehr hab ich mich natürlich über das Kissen gefreut, das gleichzeitig auch eine Art Abschiedsgeschenk war, weil ich ja morgen nach Taipeh fahren werde... Ich bin noch nicht sicher, ob ich mich freuen soll oder nicht, weil ich gerade angefangen habe, mich in der Familie einzuleben. Womit ich auch schon bei gestern angekommen wäre. Da haben wir nämlich nachmittags zusammen chinesische Maultaschen gemacht. Außerdem hab ich Kaiserschmarrn zum Nachtisch gemacht und der Einfachheit halber als "typisch deutsch" verkauft. Stimmt zwar nicht ganz, aber geschmeckt hat es trotzdem. Der Teig war ein einziges Chaos, weil ich unter Anderem alles von Hand schlagen musste, sprich: Eischnee mit Schneebesen - ganz klasse. Außerdem hab ich Cranberries und Blaubeeren statt Rumrosinen reingetan und Puderzucker haben wir erst im fünften Laden bekommen! Aber es hat geschmeckt. Mir die selbstgemachten Maultaschen und dem Rest der Kaiserschmarrn. Mit Stäbchen wohlgemerkt! Omma wollte wohl nicht offiziell zugeben, dass ihr meine Kochkünste zugesagt haben. Heimlich, still und leise hat sie dann aber doch ganze drei Schüsseln verdrückt :D 
Und als wir mit essen fertig waren, hab ich zwei von meinen zahllosen Cousinen (?) Zöpfe flechten beigebracht. Die waren total begeistert, weil sie mit meinen Haaren spielen durften. Und ich hab mich gefreut, dass sie keine Angst mehr haben, mit mir zu sprechen. Schade nur, dass heute mein letzter Tag hier war.
Insgesamt denke ich, dass ich die Familie hier schon ein bisschen vermissen werde, wenn ich in Taipeh bin. Zumal ich da ja keinen kenne und ich gerade angefangen habe, mich hier einzuleben. 
Naja, Taipeh und Uni wird bestimmt auch toll und ich werde mit Sicherheit viele nette Leuten kennenlernen. Außerdem bin ich hier ja jederzeit willkommen hat man mir versichert. Und ich werde ganz bestimmt schon bald auf dieses Angebot zurückkommen! 
Erstmal muss ich jetzt jedoch im Studium ankommen und in den Uni-Alltag zurückfinden. Ich hoffe, dass ich das alles relativ komplikationsfrei und möglichst schnell hinter mich bringen kann... mal abwarten.

Samstag, 6. September 2014

Tag am Meer

Manch einer wird sich anhand der Überschrift bereits gedacht haben, dass ich wohl heute einen wundervoll entspannten Tag an einem der paradiesischen Strände Taiwans verbracht habe.
Als meine Schwester sagte, wir würden ans Meer fahren, dachte ich das zunächst auch und freute mich schon innerlich sehr darauf. Allerdings verstarb mein letztes Fünkchen Hoffnung auf einen Tag mit Sandstrand und Baden, als wir mit Gummistiefeln, Eimer und Schüppchen bepackt ins Auto stiegen. Außerdem befanden sich lange Überziehärmel und - hosenbeine nebst Kopfbedeckungen und reichlich Wasser im Gepäck. 
Wir fuhren tatsächlich an die Küste. Mitsamt Omma (diesmal mütterlicherseits) und einer Tante mit ihren Kindern; glaube ich zumindest. Fest steht, dass sie Verwandtschaft unbekannten Grades waren! Auf dem Plan stand erstaunlicherweise eine Wattwanderung, inklusive Tourguide, der allerlei Krabbelvieh beim Namen kannte und uns dazu auch immer etwas erzählt hat. 

Leider war mein meeresbiologisches Vokabular noch nicht ausgeprägt genug, um auch nur ansatzweise verstehen zu können, was genau er da von uns wollte. Aber Spaß gemacht hat die Sache trotzdem. Am Ende haben wir zig verschiedene Krebse und Muscheln entdeckt, wobei letztere in einem Eimer und später am Abend auf unseren Tellern landeten. 
Bei näherer Betrachtung der Bilder wird dem ein oder anderen aufgefallen sein, dass ich als Einzige KEINE langen Ärmel oder eine lange Hose trage. Der Grund ist wieder eine der besonderen Eigentümlichkeiten der Taiwanesen; beziehungsweise der Asiaten insgesamt. Hab ich in Thailand auch schon beobachtet. Anders als bei uns ist eine dunkle Hautfarbe nicht etwa ein Zeichen für Gesundheit und Reichtum, sondern bedeutet das genaue Gegenteil. So kommt es, dass die Menschen hier regelrecht "Angst" vor der Sonne haben und sich möglichst bedeckt halten. Ein bisschen mag es vielleicht auch daran liegen, dass die Sonne ziemlich auf der Haut brennt, aber hauptsächlich wollen Asiaten einfach nicht braun werden. Die Kinder haben mich heute diverse Male für bekloppt erklärt und ich musste immer wieder betonen, dass das mit der Hautfarbe in Deutschland genau andersrum ist.
Prinzipiell war die Wattwanderung auch schon das Highlight der letzten beiden Tage. 
Ansonsten ist nichts Besonderes geschehen. 
Außer vielleicht, dass wir gestern eigentlich auch einen Familienausflug unternommen haben, der aber irgendwie ein Schuss in den Ofen war. Ich weiß nicht genau, was der ursprüngliche Plan gewesen ist, aber scheinbar hat es nicht funktioniert. Sonst wären wir nämlich nicht 40 Minuten irgendwo in die Pampa gegurkt, nur um an einer berühmten Gebäckfabrik anzuhalten, auf die Toilette zu gehen und dann wieder zurückzufahren...
Möglich ist, dass wir die Fabrik besichtigen wollten und dass das nicht ging, aber man hat mich nicht aufgeklärt.
Das Tollste an dem Kurzausflug war noch, dass wir an Ananas-Feldern vorbeigefahren sind. Ich hab leider keine Fotos machen können, weil wir nicht angehalten haben. Aber das sah einfach mega cool aus! So groß wie bei uns ein Kornfeld, aber statt Halmen überall Ananaspflanzen (die aussehen wie die Blätter einer Ananas, nur in größer, als Busch quasi) mit Früchten in verschiedenen Reifestadien. 
Und außerdem sind wir noch an einem besonderen Tempel mit einem Buddha für Geschäftsleute vorbeigefahren. Lag wohl auf dem Weg. Meine Zweitmama hat dann da Räucherstäbchen angezündet und für eine geschäftlich und finanziell erfolgreiche Zukunft gebetet. Und sie hat sich einfach mal echtes (!) Geld "vom Buddha geliehen". Keine Ahnung ob die roten Umschläge mit Geld da einfach so rum liegen.. oder ob man wohl erst den Buddha fragen muss und wenn er ja sagt, darf man sich einen nehmen.. Ich fand es jedenfalls irgendwie merkwürdig. Zumal ich mich frage, ob man es tatsächlich irgendwann wieder zurück an den Tempel gibt oder nicht (weil Leihgabe und soo). Oder wo das Geld überhaupt herkommt.
Das hier rechts ist der Tempel von innen. Und auf dem langen Tisch in der Mitte würde ich als eine Art Opfergabe beschreiben. Das ist Papiergeld/-gold und Ähnliches, was man vorher zusammen mit den Räucherstäbchen kauft und dann dort für den Buddah hinstellt. Später wird das "Geld" in einem Ofen verbrannt, damit der Buddha es auch erhält...
Ich denke mal, unsere christlichen beziehungsweise westlichen Gebräuche werden den Leuten hier genauso merkwürdig und fremd vorkommen wie uns das soeben Beschriebene^^
Glücklicherweise steppt heute Abend nicht schon wieder der Bär in meinem Hinterhof. Da ist nämlich auch ein kleiner Tempel, in dem und um den herum die Menschen gestern einfach mal Party gemacht haben. Bis nach Mitternacht. Mit Pauken und lauter Musik, Gesang und Gejubel und natürlich mit Feuerwerkskörpern, die scheinbar auf keinem Tempelfest fehlen dürfen. Nun ja, ich fand die Sache nicht allzu lustig, weil ich heute früh aufstehen wollte.
Das habe ich nach einer Nacht mit wenig Schlaf auch getan, weil mir nämlich gesagt worden ist, dass wir auf den Markt gehen, der normalerweise nur morgens ist und gegen 10 Uhr allmählich schließt. Ich also um halb 7 aufgestanden, geduscht und mich in die Küche gesetzt. Da saß ich dann mit meiner Tasse Kaffee und einem Buch (ist auf Chinesisch und ich erreiche eine rasante Lesegeschwindigkeit von maximal eine halbe Seite pro Stunde).-Um halb zehn kam meine Schwester so langsam angetrudelt und ne Stunde später sind wir losgefahren ... ich glaube, ich multipliziere demächst einfach mit dem taiwanesischen Unpünktlichkeitsfaktor, dann passt das wieder :D 
Entgegen meinen Erwartungen hatte der Markt sogar noch offen und wir haben eine Decke und ein Kissen für mich kaufen können (brauche im für das Wohnheim). Das heißt, Shompoos Mama hat bezahlt und es mir geschenkt. Sehr lieb von ihr^^

So, das wäre nun aber wirklich alles für heute. Morgen wollen wir glaub ich zusammen kochen .. und Montag ist schon Mondfestival. Dann wirds also auf jeden Fall wieder spannend! :)



Donnerstag, 4. September 2014

Crazy Taiwan (1)

Heute ist mal ausnahmsweise ein Tag frei, sodass ich Zeit hatte, ein paar Fotos zu den beiden anderen Posts hinzuzufügen. Außerdem habe ich in der kurzen Zeit, die ich hier bin, bereits ziemlich viele Bekanntschaften der besonderen Art gemacht, dass ich mir gedacht hab, es wäre vielleicht ganz interessant für euch.
Gestern sind meine beiden Schwestern und ich nämlich mit dem Bus ins ca. 30 Minuten entfernte Taichung 台中 gefahren. Hauptsächlich zum Bummeln und Shoppen, aber auch der Bildung wegen. Erstmal waren wir nämlich auf der 125-Jahre-National-Geographic Austellung. Fand ich ziemlich interessant, weil ich zum Beispiel gar nicht wusste, dass das Magazin schon so alt und auch noch so erfolgreich ist! In der Ausstellung gab es jede Menge toller Schappschüsse zu sehen und die besonders interessanten und bewegenden Ausgaben waren in chronologischer Reihenfolge aufgestellt. Jeweils mit einer kurzen Erklärung zur Entstehung und zum Inhalt der Fotos. Außerdem gab es einige National Geographic Magazine mit Fokus auf Taiwan, die natürlich ebenfalls ausgestellt waren.
Als wir uns ausreichend historisch und kulturell gebildet hatten, stand wie schon gesagt Shopping auf dem Plan. In einem Einkaufszentrum mit 14 (ja, VIERZEHN!!!) Stockwerken. Der Wahnsinn. Das Gebäude war dermaßen hoch, dass man die Spitze kaum sehen konnte, wenn man genau davor stand. Und beim Foto von der anderen Straßenseite aus, die wohlgemerkt vielspurig war, ist immer noch das Dach abgeschnitten.

Abgesehen von den unzähligen Stockwerken, die sich jeweils an eine bestimmte Gruppe Kunden gerichtet haben, gab es natürlich in einem so hohen Gebäude neben der herkömmlichen Rolltreppe auch Aufzüge. Diese jedoch waren alles andere als normal. Also naja, eigentlich waren sie schon "normal", aber es gab eine extra für diesen Job abgestellte und uniformierte Aufzug-Dame, die den Fahrgästen das Stockwerk angesagt hat und jedes Mal ausgestiegen ist, um die Lage zu checken. Für mich extrem merkwürdig, aber okay. Das ist halt einfach Taiwan. Oder Asien. 
Aber obwohl ich schon mal ein ganzes Jahr in diesem Teil der Welt war, entdecke ich immer wieder neue Verrücktheiten, die man bei uns in der Form niemals oder nur extrem selten vorfinden würde.
So auch Waffeln (süß) mit Salat. Oder gegrilltes Fleisch in Rosinenbrot. Kaffee als Aufgussgetränk im Teebeutel, Crushed Ice mit leckerem Schwabbelwabbel und Äpfel, die nach Banane schmecken. Oder auch ganze Hühner oder Fische. Letzteres ist ehrlich gesagt eher nichts für mich, weil ich nicht sonderlich drauf stehe, wenn mich mein Essen noch anguckt. Vermutlich, weil wir Europäer das einfach nicht so gewohnt sind. 

Ich hab auch schon diese schwarz gefärbten Eier probiert. Sah ziemlich eklig aus und hat mir auch nicht sooo toll geschmeckt. Aber anders als ich dachte waren das nicht diese hundertjährigen Eier, sondern in Tee eingelegte Eier. Daher die dunkle Farbe. Der süße Geschmack war für mich dann eher merkwürdig, weil ich es eben nicht anders kenne als mit Salz oder Maggi (oder Sojasoße).
Das hier links sind übrigens die freundlichen Damen (und auch Herren), die uns im Aufzug das Stockwerk angesagt haben und aufpassen, dass wir auf der richtigen Etage ein- und ausgestiegen sind.



Ebenfalls ungewöhnlich ist, dass die Menschen hier alle wahnsinnig klein sind. Ich komme mir, ohne fieslich klingen zu wollen, teilweise echt vor wie in Mini-Land, weil ich grundsätzlich mindestens einen Kopf größer bin als alle anderen. Außerdem ist es auch beim Einkaufen leicht deprimieren, dass aus vormaligem 34/36 plötzlich eine ganze Kleidergröße mehr wird. Also M statt XS oder S ... Ich bin hier eben nicht small
Man könnte eigentlich eher behaupten, dass ich hier die Exotin bin mit meinen blonden Haaren und blauen Augen. Und in manchen Momenten wünsche ich mir echt, asiatischer auszusehen, damit ich nicht ganz so doll auffalle. Weil manche einfach schamlos starren! Oder sie kommen auf mich zugestürmt, packen mich am Arm, betaschen mich und wollen ein Foto -.- Ganz toll. Ohne Witz, das ist mir am Sonne-Mond-See wirklich passiert. Ich war erst geschockt und hab dann mit Bestimmtheit nein gesagt. Total bescheuert sowas. Man kann doch höflich fragen, Herrgott! Meine Schwester meinte dann zu mir, das seien "Festländer" gewesen, also Chinesen vom Festland. Und die sind ihrer Meinung nach sowieso größtenteils rüpelhaft und merkwürdig...


Nicht dass ihr jetzt denkt, die sind hier alle so krass drauf. Nein, um Gottes Willen! Die Taiwanesen, die ich bisher getroffen hab, sind alle echt süß und superlieb und wir verstehen uns toll. Ach, und ich werde mich noch ihrem dem Kleidungsstil anpassen müssen, der ebenso niedlich sind, wie die Menschen hier. Also ganz viel Blümchen und Schleifchen und Rüschen und Glitzer :D

Das hier ist übrigens die Süßigkeit, von der ich erzählt hatte. Da wo die Zuckermasse in eine Holzform geblasen wird und so. Meistens werden damit die chinesischen Tierkreiszeichen hergestellt, glaube ich.
Ich hatte auch eigentlich ein Video davon gedreht, wie der Typ das Schaf genau hergestellt hat, aber irgendwie möchte mein PC es nicht lesen. Sorry...


Für heute wäre es das dann auch erstmal wieder. Ich denke, allerspätestens Montag werdet ihr wieder von mir lesen, denn dann ist Mondfestival 中秋節. Das wird hier ganz groß gefeiert und ich bin sicher, das wird nochmal ganz spannend für mich werden, bevor ich mich dann in Richtung Universität aufmache und der Ernst des Studentenlebens wieder anfängt.

Dienstag, 2. September 2014

Sonne-Mond-See

Ich kann kaum glauben, dass es schon Mittwoch und demnach mein fünfter Tag hier ist! Wir unternehmen einfach jeden Tag so viel, dass ich kaum Zeit habe mich ein wenig auszuruhen, aber unsere Ausflüge machen das locker wett!
Am Sonntag war Shompoo mit mir in einer Art Heimatmuseum hier in der Stadt, die ja ziemlich historisch geprägt ist und daher gab es dort auch allerlei "antike" Dinge zu bewundern. 
Aus den vergangenen zwei bis vier Jahrhunderten würde ich tippen. Beispielsweise Kleidung (auch für besondere Anlässe wie Hochzeiten), Porzellan und Möbel. Außerdem war das Museum ehemals tatsächlich ein Wohnhaus, sodass alles extrem authentisch gewirkt hat und ein Hauch von Geschichte in der Luft lag. Ja, okay, ich weiß, das klang jetzt schwülstig, war aber wirklich so! Das Museum war halt ein echtes Haus mit sehr gut erhaltenen Räumlichkeiten und Möbeln, über zwei Stockwerke hinweg und ganz verwinkelt; eben genau so wie die Menschen dort früher gelebt haben.


Abends sind wir dann noch in einer Glasaustellung gewesen, in der verschiedene Produkte des Unternehmens des Familienvaters gezeigt wurden. Auch ziemlich eindrucksvoll!


 
 
Am Montagmorgen musste ich ausnahmsweise mal früh aufstehen, weil wir um 8.00 zu einem Tempelfest gefahren sind. Ich hab leider keine Ahnung, was genau die da gefeiert haben, aber es war cool! Jede Menge Menschen in bunten Klamotten, teilweise sogar verkleidet, laute Musik, ein traditioneller Chinesische Drachentanz und ein Wagen voll mit Buddhas. Außerdem gab es noch einen besonderen Buddha, der auf einer geschmückten Sänfte in den Tempel getragen wurde (nachdem man ihn am Vorabend zunächst hinausgeschleppt hatte..). Unter dieser Sänfte sollte ich durchkrabbeln, weil das Glück bringt.


Nachdem wir Montagnachmittag noch Klamotten für mich geshoppt haben, weil Omma fand, dass meine europäischen Sachen ja viel zu kurz seien, ging es gestern schließlich auf einen ganztägigen Familienausflug. Ich hatte in Deutschland noch in der Zeitung davon gelesen und mir insgeheim gedacht: "Da musst du unbedingt hin!" Tja, ob es nun günstiger Zufall war oder Schicksal, keine Ahnung, aber wir sind doch tatsächlich zum Sonne-Mond-See gefahren! Der liegt nämlich bloß 1,5 Autostunden ins Landesinnere vin hier entfert und ist ein wirklich lohnenswertes Ausflugsziel. Das Klima ist dort glaub ich ein wenig tropischer, weil wir durch urwaldartige Natur gelaufen und gefahren sind. Auf den Bäumen sind sogar wilde Orchideen gewachsen!

 Gleichzeitig befindet sich der See in den Bergen, sodass die Luft angenehm kühl war. Das türkisblau schimmernde Wasser lädt zum Baden ein und ich ärgere mich schwarz, dass ich keinen Badeanzug dabei hatte. Allerdings bezweifle ich, dass Omma das gutgeheißen hätte xD Die war nämlich spontan mit von der Partie. Dass sie mit ihren 85 Jahren noch so einen Trip mitmacht, finde ich bewundernswert!
Man hätte auch prima mit dem Fahrrad um den See fahren können, aber ich nehme mal an, das haben wir einerseits nicht gemacht, weil Omma dabei war und andererseits, weil Taiwanesen von Natur aus eher faul sind und sich bei dem Wetter nur ungern sportlich betätigen. Egal. Wir sind dann Bötchen gefahren. War auch schön. 


Denn so hatte man eine wundervolle Aussicht auf den See und das Ufer und die Inselchen im See. Außerdem sind wir an zwei verschiedenen Orten an Land gegangen, um die Gegend auszukundschaften, Souvenirs zu kaufen, Fotos zu machen oder wahlweise (schon wieder) etwas zu essen. Genau das scheint mir übrigens eine der absoluten Lieblingsbeschäftigungen der Taiwanesen zu sein: Essen! Bei jeder Gelegenheit wird gefuttert, egal zu welcher Tageszeit. Und Omma meint es dann immer doppelt gut und beschenkt mich mit Kleinigkeiten, die ich gar nicht alle aufessen kann. Aber sie ist süß.Jedenfalls haben wir einen ganzen Tag an diesem See verbracht und auf der Rückfahrt sind wir noch auf einen Abstecher aufs Land gefahren. Also in die Pampa. Zu irgendwelchen Freunden (oder womöglich eher Verwandten), deren Haus auf dem Weg lag.

Gegen 20.00 waren wir dann endlich erschöft aber zufrieden wieder zuhause. Ich muss übrigens korrigieren: Die Stadt ist Lugang 鹿港, Changhua ist nur das County. Bei Amaa gab es dann nochmal Essen. Taiwanese Style Barbecue. Als Abschiedsparty für eine der Cousinen, die Donnerstag wieder nach Deutschland zurückfliegt, weil sie in Detmold (!!!) Violine studiert.
Der Tag war zwar der bislang längste, aber auch der schönste für mich hier in Taiwan. Ich bin wirklich gespannt, was die kommenden sechs Monate noch so für mich bereithalten...

Tempel neben der Glasaustsellung am Abend