Freitag, 24. Oktober 2014

Taroko Nationalpark

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Es ist Donnerstag, kurz nach 13 Uhr: Nachdem ich den Vormittag damit zugebracht habe, meine Siebensachen möglichst sinnvoll und platzsparend im Rucksack zu verstauen, stehe ich nun abfahrtsbereit vor dem Wohnheim. Zusammen mit zwei anderen deutschen Mädels ist übers Wochenende eine kurzer Ausflug in den Taroko-Nationalpark 太魯閣國家公園 geplant.  

Dieser erstreckt sich von Hualian 花蓮 an der Ostküste Taiwans über rund 92.000 Hektar ins Landesinnere (siehe auch http://de.wikipedia.org/wiki/Taroko-Nationalpark#mediaviewer/File:Taroko-Naional-Park-Map-Taiwan.png ) und war in jedem unserer Reiseführer als ein absolutes Muss vermerkt. Davon mussten wir uns natürlich mit eigenen Augen überzeugen und im Nu waren Pläne für ein richtiges Wanderabenteuer mit Zelt und allem Drum und Dran ausgeheckt.
Unternehmungslustig und in voller Montur bis oben hin bepackt geht es zunächst in Richtung Taipeh Hauptbahnhof, von wo aus wir den Zug nach Hualian nehmen wollen. Knapp dreieinhalb Stunden - und unzählige verwunderte Blicke auf unser ungewöhnliches Aussehen - später steigen wir in Xincheng 新城 aus, einem kleinen Städchen ganz in der Nähe vom Parkeingang. Da es nach 18 Uhr ist, hat der Park bereits geschlossen und anstelle des Shuttle-Busses nehmen wir ein Taxi. Im Schein unserer Taschenlampen schlagen wir auf einer Wiese neben dem Besucherzentrum am Taroko-Haupteingang unser Zelt auf - das wir im Übrigen inklusive dreier Luftmatratzen für gerade einmal 25€ bei einem Geschäft für Campingbedarf geliehen haben.
Nach einer unruhigen Nacht, in der ich aus Angst um unser wild umherflatterndes Außenzelt und wegen der ungewohnten (obwohl ausnahmsweise nicht nervtötendgroßstadtmäßigen) Geräusche kaum ein Auge zugetan habe, werden wir am Freitagmorgen mit strahlendem Sonnenschein geweckt. Auf ein provisorisches Frühstück folgen Zeltabbauen und eine allgemeine Lagebesprechung. Im Besucherzentrum statten wir uns mit Busfahrplan und Wanderkarte aus und dann kann es auch schon los gehen!
Auf dem Weg zur Haltestelle des Shuttle-Busses, der uns in die Mitte des Parks - nach Tianxiang - bringen soll, ziehen wir wieder alle Blicke auf uns. Heimlich oder auch ganz offensichtlich schießt man Fotos. Schließlich sind drei blonde Mädels in Wanderoutfit mit Backpack auf dem Rücken und Zelt im Gepäck DIE Attraktion schlechthin! Insbesondere wenn man bedenkt, dass der durchschnittliche Ottonormaltaiwaner scheinbar ein komplett anderes Verständnis vom Wandern hat als wir Ausländer: In schicker Kleidung, feinen Schuhen und höchstens mit einer Handtasche ausgestattet schließt man sich Reisegruppen an, um die bekanntesten sehenswerten Orte nach und nach abzuklappern. Natürlich nicht ohne ausreichend Beweisfotos geknipst zu haben, um sich später bei Freunden und Kollegen zu brüsten!

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Entsprechend sind die sogenannten "Wanderwege" im gesamten Taroko-Nationalpark in zwei Kategorien aufgeteilt: Entweder sind sie sehr breit, befestigt, tausendfach gesichert und durch zahllose Zäune und Warnschilder gekennzeichnet. Dies sind dann "landschaftliche" Wege. Oder es sind tatsächlich als solche bezeichnete "Wander"-Wege, die zwar weniger Sicherheitsschilder haben, aber größtenteils aus Treppen bestehen.
Abgesehen davon gibt es noch eine dritte Art von Wegen, nämlich kleine Pfade und Trails, die sich durch den (Ur)wald winden und gern auch mal steil einen Berg hinauf führen. Eben solche, die ich persönlich tatsächlich als Wanderweg bezeichnen würde. Die sind für gewöhnliche Wanderer (aus Sicherheitsgründen) gesperrt und man braucht eine spezielle Hochgebirgs-Wandererlaubnis oder einen persönlichen ortskundigen Führer ... nun ja, "andere Länder, andere Sitten" oder wie man so schön sagt. 

Auch wenn das jetzt gerade eher so klang, als hätten wir keinen Spaß gehabt, war es dennoch ein einmaliges Erlebnis! Zwar sind wir nicht unbedingt voll auf unsere Kosten gekommen, was das Wandern anbelangt. Aber der Taroko-Nationalpark ist landschaftlich einfach atemberaubend und wunderschön! 

Am ersten Tag haben wir den Baiyang-Waterfall-Trail gemacht.
Dabei kann ich mich nicht entscheiden, ob mich die Hängebrücke mit den unter ihr liegenden Felsen und Schluchten mehr beeindruckt hat oder doch der Gang durch einen Tunnel mit kleinen, von der Decke kommenden Wasserfällen im Innern.
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Außerdem hatten wir den ganzen Tag über extrem schönes Wetter und haben auf unserer Wanderung die verschiedensten Arten von Schmetterlingen beobachten können. Abends hätte uns für den perfekten Abschluss nur noch ein Feuerzeug oder Streichhölzer gefehlt, weil wir auf unserem Zeltplatz theoretisch die Erlaubnis gehabt hätten, ein Lagerfeuer anzuzünden. Echtes Camping-Feeling kam trotzdem auf, weil es keine Duschen gab und wir uns daher im Freien unter einem Brunnen waschen mussten. Und der Sternenhimmel erst...!
 
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Am zweiten Tag hatten wir Einiges vor, sodass für Samstagmorgen der Wecker auf 6 Uhr eingestellt war. Zu einer solch unchristlichen Uhrzeit aufzustehen war nicht unbedingt einfach, hat sich dafür aber gleich doppelt bezahlt gemacht. Einerseits waren wir vom ersten Trail zurück bevor der Park von Touristenmassen überschwemmt wurde. Andererseits hätten wir wohl kaum die geheimnisvoll in morgendlichen Nebel eingehüllte Landschaft zu Gesicht bekommen, die eine täuschende Ähnlichkeit mit den fliegenden Bergen in Pandora aus dem Film Avatar hatte. Wir konnte also in aller Ruhe unsere traumhaft schöne Umbebung bewundern, ein bisschen wandern (Lushui Trail) und hatten außerdem noch mehr als genug Zeit, Frühstück zu besorgen und das Zelt abzubauen bevor wir uns wieder in Richtung Besucherzentrum am Parkeingang aufgemacht haben. Dort wollten wir nämlich noch eine letzte Wanderung unternehmen und uns gegen Nachmittag auf den Heimweg machen.
Der Haken an unserem wunderbar durchdachten Plan war nur, dass so früh leider noch kein Shuttele-Bus fuhr. Allerdings blieb uns nichts anderes übrig, als uns dennoch mit Sack und Pack an die Straße zu stellen und auf ein vorbeifahrendes Auto oder einen Bus zu hoffen. 
Wir wollten schon beleidigt aufgeben, als das erste Fahrzeug gekonnt unseren ausgestreckten Daumen ignorierte und im Eiltempo vorbeifuhr. Doch keine zwei Minuten später kam es zu unserem Erstauen zurück! Man fragte uns, wo wir denn hinwollten und im nächsten Moment saßen wir auf der Rückbank einer singapurischen Familie mit zwei Kindern, die gerade auf Kurzurlaub in Taroko unterwegs war. Die vierzigminütige Fahrt war ziemlich cool, viel lustiger als Busfahren und dann auch noch kostenlos!
 

        Am Besucherzentrum angekommen haben wir unsere Rucksäcke umgepackt, das schwere Gepäck in die Obhut der Parkwächter gegeben und uns postwendend wieder auf den Weg gemacht. Als nächstes stand der Shakadang-Trail auf unserer Liste, der in die "landschaftliche" Kategorie gehört und entsprechend von Touristen besucht war. Da sich die Natur rund um die Wanderwege im Nationalpark überall ziemlich ähnlich ist, unterschied sich unser Ausblick nicht wesentlich von dem, was wir am Vortag bereits ausgiebig bewundert hatten. Schön war es trotzdem.
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Zumal wir am Ende noch ein bisschen im Urwald rumgewuselt und den Anfang eines anspruchsvolleren Trails (also einen mit Treppen) "gewandert" sind. Außerdem haben wir wieder ganz viele exotische Tierchen entdeckIch wäre auch gern noch einen Tag länger geblieben, aber irgendwann muss man ja auch mal was für die Uni tun ...

Am Samstagnachmittag gegen 16 Uhr beluden wir uns also ein letztes Mal mit all unserem Gepäck und machten uns auf den Weg zum Bahnhof. Von dort sollte es zurück nach Taipeh gehen, jedoch nicht auf direktem Weg, weil wir noch einen Tipp meines Tandempartners ausprobieren wollten. 
Er hatte uns nämlich den Nachtmarkt in Luodong empfohlen, was quasi auf halben Weg nach Hause liegt.  
Das Gepäck konnten wir problemlos am Bahnhof in Schließfächern lassen und nach einem langen Tag mit Wandern und Zugfahren erwies sich der Nachtmarkt als wunderbare Möglichkeit, unseren letzten Abend entspannt ausklingen zu lassen. Mit Pizza im Hörnchen, Zuckerwatte-Küken und pechschwarzen, hornförmigen Nüssen, deren Geschmack an Maroni erinnerten - nur um einige Besonderheiten zu nennen.




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Ich habe vor Kurzem diesen Post bearbeitet und einige Fotos hinzugefügt, die eigentlich nicht von mir sind sondern von einer Freudin. Sie hat nämlich eindeutig eine bessere Kamera als ich und kann auch noch damit umgehen, wie man ja auf den mit Sterchen markierten Fotos deutlich erkennen kann! 
Nachdem wir gegenseitig die Fotos von unserem kleinen Abenteuer ausgetauscht hatten, habe ich einige davon mit ihrem Einverständnis in meinen Blog aufgenommen.
Für diejenigen unter euch, die Interesse daran haben, noch mehr ihrer Bilder anzuschauen, hier ein Link zu ihrem eigenen Blog (der ist allerdings auf Englisch geschrieben)













 

Mittwoch, 15. Oktober 2014

Crazy Taiwan (2)

Taiwan ist anders, keine Frage! Das Thema hatte ich ja vor einiger Zeit schon ausgiebig erörtert. Man sollte also meinen, dass mich hier nichts mehr schocken oder überraschen könnte. Falsch gedacht. In Wahrheit bin ich immer wieder aufs Neue verwundert über Dinge, die Taiwan so sehr von meiner Heimat unterscheiden.
Fangen wir mit den Lebenshaltungskosten an. Eigentlich sind die vergleichsweise gering, nur in Taipeh ist alles "teuer". Zumindest nach taiwanesischen Verhältnissen, denn für eine komplette Mahlzeit bezahlt man (großzügig gerechnet) gerade mal zwischen 1 und 2,50€. Wenn man nicht gerade in ein Spitzenklasseluxusrestaurant geht. Auch Kleidung ist auf dem Nachtmarkt, und teilweise in Geschäften, relativ günstig, je nach dem wo man schaut. Insgesamt beläuft sich der Gesamtbetrag meiner täglichen Ausgaben auf rund 5€. Außer ich mache den großen Fehler, im Supermarkt einkaufen zu gehen. Äpfel sind besonders gefährlich. Oder Nutella und jegliche Art von nicht-asiatischen Süßigkeiten. Wie man auf den nebenstehenden Fotos unschwer erkennen kann, handelt es sich um ein normalgroßes Nutella-Glas und einen völlig gewöhnlichen Apfel. Für ersteres hätte ich umgerechnet fast 6€ bezahlen müssen; und nein, es ist NICHT das 1KG-Jumbo-Glas (ich will gar nicht wissen, wie viel das gekostet hätte...). Den Apfel hingegen habe ich tatsächlich gekauft. Für stolze 40 TW$, was in etwa 1€ entspricht. Weil ich nämlich unfähig war aus dem Gewirr von Schildern und Preisen den Kilopreis abzusehen. Vielleicht gibt's sowas auch gar nicht. Auf dem Markt geht es jedenfalls nach Stückpreis soweit ich weiß. Der liegt im Schnitt bei 5 Äpfel für 2,50€.
Auch Müsli, Cornflakes und andere Vollkorn-Frühstücks-Produkte sind ziemlich teuer. 
Ich könnte jetzt weiter machen, aber halten wir fest: Demnächst lieber einmal mehr fragen anstatt einfach blind zu kaufen; beziehungsweise werde ich westliche Produkte künftig endgültig von meiner Speisekarte streichen müssen. Oder ich lache mir einen reichen Taiwanesen an, der mir Apfelmüsli kauft...

Kommen wir nun von Supermärkten zum Straßenverkehr. Der wird zu Stoßzeiten zwar vorbildlich von Polizisten mit Warnweste, Trillerpfeife und Signallampe kontrolliert. Aber im Großen und Ganzen muss man echt vorsichtig sein, dass man nicht von Motorrädern überfahren wird oder aus dem Bus fällt. Kein Scherz, das ist ernst gemeint! Ich bin letztens mit meinem Tandempartner zu IKEA gefahren, wo es, ganz nebenbei bemerkt, sooo spannend nu auch wieder nicht war, weil das Sortiment im Grunde ein- und dasselbe ist wie in Deutschland und überall anders auf der Welt. Jedenfalls sind wir mit dem Bus hingefahren und das ist hier echt eine Kunst für sich. Erstmal muss man sich durch den Wust aus Buslinien wühlen, was zum Glück Bo-jun für mich übernommen hatte. Dann muss man den entsprechenden Bus heranwinken, weil er sonst einfach weiterfährt. Bezahlt wir entweder beim Ein- oder Aussteigen, je nach dem was vorne beim Fahrer gerade angezeigt wird. Und jede fahrt kostet nur 12 TW$. Im Vergleich zur Metro ist das echt günstig und ich möchte daher auch eigentlich lernen, allein Bus zu fahren. Wenn ich recht überlege, ziehe ich andererseits Metrofahren eindeutig vor. Weil die Busfahrer sich nicht nur mit rasanter Geschwindigkeit und knappen Manövern durch die vollgestopften Straßen Taipehs schlängeln. Sondern vor Allem, weil sie kurz vor der Bushaltestelle in voller Fahrt einfach schon mal die Tür aufmachen. Damit man schneller aussteigen kann. Oder wahlweise einfach aus dem Bus fällt? Ganz ungefährlich ist das jedenfalls nicht. Und Sitzenbleiben bis der Bus steht ist auch leichter gesagt als getan, weil es dann nämlich unter Umständen passieren kann, dass der Bus einfach weiterfährt, weil man nicht schnell genug ausgestiegen ist. 
Wenn man nun zu Fuß unterwegs ist, sollte man stets ein wachsames Auge auf den Straßenverkehr haben. Zwar genießt man in Taipeh die Vorzüge von Bürgersteigen und zahlreichen Fußgängerampeln, die in der Regel in Verbindung mit einem Zebrastreifen zu finden sind. Allerdings sind Taiwanesen in puncto "Rücksicht auf Fußgänger" nicht ganz so bewandert. Oder haben schlichtweg ein anderes Verständnis davon. Wer nicht dreist drauflos fährt (oder geht), hat verloren. Selbst wenn man sich gerade als Fußgänger auf einem Zebrastreifen befindet, den man bei grüner Ampel überqueren möchte. In solchen Fällen kommen die verkehrsregulierenden Polizisten gerade recht, da sie rücksichtslose Autofahrer gnadenlos aufhalten (durch wildes Winken teilweise, indem sie mit ihrer Signallampe auf die Motorhaube klopfen!). Bei Gelegenheit werde ich das Durcheinander gern einmal fotographisch für euch festhalten. Leider hatte ich bislang zwar genug Gelegenheiten, war aber immer zu sehr um meine eigene Sicherheit besorgt als dass ich ein schönes Foto hätte schießen können.

Ein letzter eigenartiger Punkt, den ich heute noch mit euch teilen möchte, ist das Müllauto! Ich würde sogar behaupten, in Deutschland gibt es etwas Vergleichbares. Nämlich den Tüdelühmann - besser bekannt als Schrottsammler, der mit Musik durch die Straßen gondelt und Altmetall einsammelt und den schon jedes Kind kennt.
Die Parallele zur taiwanesischen Müllabfuhr besteht nun hauptsächlich darin, dass auch sie Musik spielt. Mit dem kleinen aber feinen Unterschied, dass hier tatsächlich Müll eingesammelt wird. Sobald "Für Elise" oder ein anderes bekanntes klassisches Musikstücke ertönt wissen die Menschen, dass das Müllauto naht. Sie stehen dann mit ihren Müllsäcken am Straßenrand und warten geduldig darauf, diese der Müllabfuhr überlassen zu können. Leider kann man es auf dem Foto nicht so gut erkennen, aber das gelbe Auto im Hintergrund, das den ganzen Verkehr aufhält, ist das Müllauto. Das weiße im linken Bildrand ist ein Altmetallsammler.

Oh, jetzt hätte ich fast das Lustigste vergessen! Ich hatte ja bereits angedeutet, dass es allmählich kühler wird. Der Winter naht und man kleidet sich auch entsprechend. Jedenfalls tun das die Taiwanesen, denen bei rund 20°C offenbar tatsächlich so frisch wird, sodass sie langärmlige Kleidung, Jacken und lange Hosen tragen. Ich selbst empfinde derartige Temperaturen durchaus noch als frühlingshaft, besonders weil es ja nur morgens wirklich "kalt" ist. Im Laufe des Tages steigen die Temperaturen, aber es wird nicht mehr unerträglich heiß, ein leichter Wind weht und die Sonne scheint angenehm warm auf die Haut. Allerdings kommt es mir so vor, als würde nur ich das so sehen. Denn die Mehrheit mustert mich mit entgeisterten Blicken als käme ich von einem anderen Stern, wenn ich in kurzer Hose und T-Shirt vorbeilaufe...



 






Donnerstag, 9. Oktober 2014

Taiwan Coolinarisch (1)

Allmählich wird es Winter hier in Taiwan. Die Temperaturen haben sich merklich abgekühlt, die Luftfeuchtigkeit ist zurückgegangen und es regnet jetzt sehr oft. Natürlich ist das noch lange kein Winter im eigentlichen Sinne. Aber ich hatte mich gerade einigermaßen an das Klima hier angepasst, sodass ich jetzt bei wolkenverhangenem Himmel und 25°C lieber mit langer Hose aus dem Haus gehe. Grundsätzlich ist es momentan recht angenehm draußen, wie ihr unter folgendem Link sehen könnt http://www.cwb.gov.tw/V7e/forecast/taiwan/Taipei_City.htm - Aber ich bin mal gespannt, wie "kalt" es hier wirklich noch werden wird...
Heute ist Nationalfeiertag in Taiwan. Man nennt ihn auch "Doppelzehner", weil er am 10. Oktober stattfindet und natürlich haben wir keine Uni. Daher hatten wir - zwei andere deutsche Mädels und ich - ursprünglich geplant, unser langes Wochenende im Taroko Nationalpark zu verbringen. Allerdings sind nicht nur sämtliche Züge komplett ausgebucht sondern auch das Wetter verspricht für die nächsten Tage hauptsächlich Regen. Als Schönwetterwanderinnen haben wir leider keine große Lust darauf, vier Tage lang durch Nässe und Matsch zu latschen und nachts mitsamt unserem Zelt womöglich noch irgendwo ins Nirgendwo gespült zu werden. Kurzerhand haben wir den Ausflug also erst einmal verschoben, in der Hoffnung, dass nächstes Wochenende das Wetter besser mitspielen wird.
Etwas enttäuscht bin ich ja schon, zumal das nicht die erste Sache ist, die diese Woche irgendwie nicht ganz so rund läuft. Auf der anderen Seite hätte ich sonst gestern nicht die Möglichkeit gehabt, eine tyisch chinesische Spezialität auszuprobieren. Alternativ sind wir nämlich zusammen 火鍋(Hotpot) essen gegangen. Im Prinzip ist das eine Art Suppe mit kunterbunt zusammengewürfelten Zutaten, die man je nach persönlichem Geschmack im Vorfeld auswählen kann. Manchmal kann man auch eine besondere Basisbrühe bestellen, ansonsten ist es normales Wasser. 
In Mitte jedes Tisches ist ein kleiner Gasherd eingelassen, auf den ein Wok gestellt wird. Darin brät man zunächst Fleisch und/oder Fisch an, dann kommen Gewürze und Wasser und alles andere hinzu. Verschiedene Gemüsesorten, Vogeleier (die winzigen, die es auch in Thailand immer gab), Tofu, Glasnudeln, Pilze und und und ... 
In separaten kleinen Schüsselchen kann sich jeder noch individuelle "Würzmischungen" zusammenstellen. Ich hatte zum Beispiel eins mit Sojasauce und ein anderes mit Frühlingszwiebeln und Chilies. Eine Schale Reis darf natürlich auch nicht fehlen! 
Später auf dem Nachtmarkt gab's noch ein Eis für den süßen Zahn. Diesmal nicht ganz so traditionell wie mein letztes, sondern Crushed Ice, eine Kugel Milcheis und Obst. Außerdem war glaub ich noch eine Art Sirup drauf. Sehr lecker und die perfekte Abrundung für einen tollen Abend!

Abgesehen vom Hotpot habe ich diese Woche gleich noch eine taiwanesische Besonderheit ausprobiert, nämlich die berühmten 小籠包 (Xiao'long'bao, spezielle "Suppen"-Dumplings) im 鼎泰豐 (Din'tai'feng)-Restaurant des Taipeh 101!
Normalerweise stehen die Leute vor dem Eingang des Restaurants Schlange, nur um Xiaolongbao zu essen. Und das kann teilweise bis zu zwei Stunden dauern! Aber wir hatten Glück: Mittwochs nachmittags gegen 17h scheint dort nicht allzuviel los zu sein und wir trauten unseren Augen und Ohren kaum, als wir ohne Umschweife direkt einen Tisch zugewiesen bekamen. Neben den heiß begehrten 小籠包 (hier links) haben wir noch scharfe Shrimp-Dumplings und Nudelsuppe bestellt. Alles sehr lecker und lohnenswert, auch wenn es vergleichsweise teuer ist.
Ihr fragt euch sicher, was denn nun so spannend an Dumplings sein kann. Schließlich sind das doch bloß Teigtaschen mit Füllung, oder? Naja, im Prinzip stimmt das schon. Aber anders als andere Dumplings sind die Xiaolongbao zusätzlich mit einer Art Fleischbrühe gefüllt, was sie besonders lecker und speziell macht. Das mag vielleicht nicht Jedermanns Sache sein, aber ich persönlich würde sagen, dass man definitiv etwas verpasst hat, sollte man bei einem Taiwanaufenthalt dem DinTaiFeng keinen Besuch abstatten. Genauso wie Hotpot. Beides muss man wenigstens ein Mal probiert haben!

Abgesehen vom Thema Essen würde ich jetzt liebend gern von der Mondfinsternis am letzten Mittwoch berichten. Ich hatte mir das Spektakel eigentlich vom Elephant Mountain aus anschauen wollen. Oder wenigstens vom Dach unseres Wohnheims aus. Ja, man kann auf das Dach! Das habe ich letztens durch Zufall von einem Kommilitonen erfahren und war ganz aus dem Häuschen. Der Ausblick von dort oben ist atemberaubend, nur bin ich leider bisher noch nicht dazu gekommen ein paar schöne Fotos zu machen. Die Mondfinsternis wäre da die Gelegenheit gewesen, aber ich Doofi hab dieses einmalige Ereignis natürlich einfach mal komplett vertrödelt. Erst als ich am Mittwochabend um kurz vor halb 9 nach draußen gegangen bin und einen winzigen roten Fleck am Rand des Mondes sah, fiel mir siedend heiß ein, was ich eigentlich vor gehabt hatte...









Dienstag, 30. September 2014

Von Elefantenbergen und alten Straßen

Nach einer relativ ruhigen Woche habe ich am Wochenende endlich wieder etwas spannenderes unternommen als Chinesisch zu lernen und den Tag in der Uni zu verbringen.
Am Samstag stand zunächst der sogenannte Elephant Mountain (Elefantenberg) auf unserem Plan. Er liegt am südlichen Rand Taipehs und ist insbesondere wegen der beeindruckenden Aussicht über die Stadt sehr bekannt.
In weiser Vorraussicht haben wir, eine koreanische und eine deutsche Freundin und ich, uns erst nachmittags auf den Weg gemacht. Wir wollten nämlich nicht in der prallen Mittagshitze wandern und außerdem später beim Abstieg den Sonnenuntergang bewundern. Mit der Metro ging es zunächst an den Stadtrand Teipehs, von wo aus wir nur noch ein kleines Stückchen bis zum Eingang des "Wander"-Weges laufen mussten. Allerdings erwartete uns dort kein sich in Schlangenlinien den urwaldbewachsenen Berghang hinaufwindender Trampelpfad, sondern Treppen. Ja, genau, Treppenstufen! Mehr oder weniger schurgerade führten sie direkt bis zur Spitze des Elephant Mountain, wo sie in einer Art Aussichtsplattform endeten. Von dort aus führten dann - selbstverständlich wiederum gepflasterte Wege - zu verschiedenen anderen Hügeln der Umgebung. Zwar war es nicht ganz das, was wir uns vorgestellt hatten, aber Spaß gemacht hat es trotzdem.
Unter anderem, weil wir mitten im Urwald gewandert und allerlei spannenden Pflanzen und Tieren begegnet sind - leider waren auch riesige Spinnen dabei, die zwar friedlich in ihren Netzen gehockt haben, aber in meinem Zimmer hätte ich die nicht so gern haben wollen...
Da man innerhalb von 20 Minuten oben ist, hatten wir noch genug Zeit, ein wenig umherzuwandern bevor wir uns wieder auf den Rückweg nach unten gemacht haben. Natürlich nicht ohne vorher mit gefühlten hundert anderen Menschen zusammen die abendliche Skyline von Taipeh angeschaut und fotographisch festgehalten zu haben! In natura sieht das noch tausendmal schöner und eindrucksvoller aus als auf nem ollen Foto, aber ich denke, man kann wenigstens ansatzweise nachvollziehen, dass der Ausblick vom Elephant Mountain auf Taipeh schon etwas besonderes ist. Im Übrigen ist uns an dem Tag auch aufgefallen, dass der Taipeh 101 immer in verschiedenen Farben leuchtet. Mal ist er blau, dann grün, rot oder lila. Und ein anderes Gebäude hatte ein großes Herz auf dem Dach!
Auf der Rückfahrt vom Elephant Moutain zum Wohnheim ergab sich schließlich spontan ein Sonntagsausflug, als Yunha (die Koreanerin) mich einlud, mit ihr und einem Freund von ihr wegzufahren. Meinen ursprünglichen Plan, mich dem Strandausflug der anderen International Students anzuschließen, hatte ich leider kurzfristig aufgeben müssen, weil ich am Freitag so intelligent gewesen war, im Bikini bei Mittagssonne schwimmen zu gehen. Das leicht schmerzhafte Resultat sollte sich von selbst erklären. Ich habe also nur allzugern Yunhas Angebot angenommen. 
 
Die Reise führte uns nach Jiufen, eine alte Stadt, die etwa anderthalb Stunden mit dem Bus von Taipeh entfernt an der Küste gelegen ist. Dort schlängeln sich winzige Gässchen kreuz und quer an einem Berghang entlang. Vollgestopft mit Menschen ist es, von überall her wehen unterschiedlichste Gerüche und es herrscht eine geschäftige Atmosphäre. Je tiefer man in das Labyrinth von schmalen Straßen und Treppen eintaucht, desto uriger werden die Gebäude. Von kleinen Restaurants und Imbissständen über Souvenirlädchen bis hin zu Teehäusern findet sich in der kleinen Stadt nahzu alles. Ganz zu schweigen von dem malerischen Ausblick, der sich uns auf das am Fuße des Berges gelegene Meer bot! Diesen haben wir in einem der zahlreichen Teehäuser mit allen Sinnen in uns aufnehmen können, während wir entspannt unseren traditionell servierten Tee genossen. Fast schon ein wenig kitschig kamen wir uns vor, aber andererseits war es auch irgendwie genau das, was man sich unter "Asien" normalerweise vorstellt. Oder?
Nachdem wir uns endlich von der gemütlichen, meditativen Stimmung des Teehauses hatten losreißen können, sind wir durch die verwinkelten Gassen zurück zur Busstation geschlendert. Natürlich nicht ohne hier und da verrückte Kleinigkeiten zu probieren; zum Beispiel mit frisch gemahlenem Erdnusspulver überstreutes Eis, das in hauchdünnem Pfannkuchenteig eingewickelt war.
Mit dem Bus ging es dann weiter in das etwa zehn Minuten entfernte Bergbaumuseum. Nicht etwa ein Kohlebergwerk, sondern eine alte Goldmine! Inzwischen sind die Goldvorkommen erschöpft und die Mine ist stillgelegt, aber man kann auf dem ganzen Gelände allerhand über den Abbau beziehungsweise die Gewinnung und Raffinerie von Gold lernen. Beim Abendessen konnten wir erneut einen wunderschönen Sonnenuntergang ansehen; diesmal sogar mit Blick aufs Meer! Danach sind wir wieder in den Bus gestiegen und nach Taipeh zurückgefahren. Dabei hat uns die Busfahrt insgesamt gerade mal fünf Euro gekostet. Öffentliche Transportmittel sind hier zwar normalerweise immer im Vergleich zu Deutschland recht günstig, aber es erstaunt mich doch immer wieder aufs Neue. Genauso wie man in nahezu alle Museen umsonst oder zumindest sehr erschwinglichen Eintrittspreisen hinein kommt, insbesondere als Student.














Donnerstag, 25. September 2014

Studentenleben (1/3)

Meine erste "richtige" Woche als Studentin an der National Taiwan University ist nun fast vorbei und natürlich gibt es allerlei zu erzählen. Die vorige Woche zähle ich nicht wirklich mit, weil das eher eine Phase des Eingewöhnens und Kursebeguckens war. Meinen allerersten und einzigen Unterricht hatte ich am Freitag, weil nämlich der Chinesisch-Kurs immer erst eine Woche nach Semesterbeginn anfängt.
Aber eins nach dem anderen. Wie ihr euch vermutlich schon gedacht habt, unterscheidet sich das taiwanesische Studentenleben grundsätzlich von dem an der Ruhr-Universität. Zunächst einmal habe ich mit drei Kursen einen vergleichsweise entspannten Stundenplan. Unter Anderem, weil Wirtschaftschinesisch leider zu überfüllt war als dass ich hätte reinkommen können. Alle anderen Kurse sind jedoch ungefähr das, was ich mir vorgestellt hatte: Wirtschaftliche Entwicklung Festlandchinas und Internationale Business-Strategien. Ich weiß, klingt vielleicht trocken und langweilig. Ist es aber nicht!
Womit wir auch schon bei Punkt zwei der Unterschiede wären: Den Dozenten. Ich weiß nicht, ob ich einfach nur Glück habe oder ob die generell so drauf sind.. aber insbesondere der IBS-Professor ist total locker und lustig, hat immer gute Laune und reißt die ganze Zeit über Witze. Er lief auch auf einmal durch den Klassenraum und fing an Selfies von sich mit uns im Hintergrund zu machen. Und in den Pausen hat er Gangnam-Style von PSY über YouTube laufen lassen, um für Stimmung zu sorgen. Außerdem verspricht er ständig, uns aus Motivationsgründen zum Essen einzuladen oder Frühstück mitzubringen (weil IBS von 9 bis 12h geht). Und nicht nur er sondern auch meine anderen beiden Dozenten sind so cool, wodurch das Lernen eindeutig leichter fällt und gleich viel mehr Spaß macht.
Als wäre es noch nicht genug, dass alle meine Professoren allein vom Charakter her schon sympatisch sind, habe ich in keinem einzigen Fach Mid-Term (also Klausuren in der Mitte des Semesters, die dieses Jahr ungefähr in die erste Novemberhälfte fallen würde). Auch Abschlussprüfungen habe ich bislang keine, außer vielleicht in Chinesisch. Aber ich bin ja auch schließlich hier, um meine Sprachkenntnisse zu verbessern. Da hatte ich eigentlich damit gerechnet, in diesem Fach auch geprüft zu werden. Und dadurch, dass ich nun Wirtschaftschinesisch leider doch nicht belegen kann, habe ich zwar vermeindlich mehr Freizeit. Allerdings werde ich mich mal nach einer Tandempartnerin umsehen (also Sprachaustausch Chinesisch - Deutsch/Englisch), damit ich mich nicht langweilen muss und auch mal ans Sprechen komme.
Worüber ich mich diese Woche besonders gefreut habe war, dass ich in den Chinesisch Stufe 4 Kurs reingekommen bin. Ursprünglich war ich nämlich laut Ergebnis des Einstufungstests "nur" auf Level 3. Da bin ich Montag dann auch erstmal hin, habe aber nach der ersten halben Stunde gemerkt, dass ich unterfordert bin. Also hab ich direkt die Dozentin angesprochen, die mich in den höheren Kurs geschickt hat. Dort fühle ich mich eindeutig wohler und bin froh, dass ich mich noch nachträglich anmelden konnte. Das war nämlich nicht so selbstverständlich, weil es in diesem Semester dermaßen viele Studenten gibt, dass die Kurse sehr voll sind und nur eine bestimmte Anzahl teilnehmen darf. Aber am Ende konnte ich mich ja erfolgreich ummelden und alles ist gut.
Abgesehen von meinen Stundenplan ist das Unileben insgesamt komplett anders als in Deutschland. Erst einmal komme ich mir vor wie in Holland (oder Münster), weil ungefähr jeder der zigtausend Studenten ein Fahrrad besitzt, um auf dem Campus von A nach B zu kommen. Das hier ist noch harmlos:
Außerdem gibt es ganz viele verschiedene Clubs und Vereine. Von Bauchtanz über Luftballontiere basteln bis hin zu Kalligraphie und diversen Sportarten. Ich selbst bin seit heute mit einer Kommilitonin im Wander-Club. Wir hoffen zumindest, dass wir uns dort angemeldet und keine taiwanesische Waschmaschine mit Rückwärtsgang und Seifenblasenfunktion gekauft haben. Die junge Dame sprach nämlich ungefähr so gut Englisch wie wir Chinesisch, was dazu führte, dass es mit der Verständigung mehr schlecht als recht funktioniert hat. Naja, abwarten.
Die nächsten beiden Bilder sind eigentlich selbsterklärend. Aber ich musste das einfach reinbringen, weil ich mir das Schmunzeln kaum verkneifen konnte, als ich diese beiden Schildchen zum ersten Mal entdeckt habe:

Von kuriosen Toilettenbeschriftungen komme ich nun abschließend noch auf den Campus im Allgemeinen zu sprechen. Dass er riesig ist, hatte ich ja bereits erwähnt. Wer es immer noch nicht glaubt, kann sich gern selbst auf dieser interaktiven Karte http://map.ntu.edu.tw/ntu-eng.html vergewissern. Praktisch und extrem hilfreich, insbesondere für Menschen mit einem so ausgeprägten Orientierungssinn wie ich...
Aber selbst wenn ich mich dann doch mal auf dem Campus verlaufen sollte, überall gibt es (statt zentraler Riesenmensa) zahllose kleine Imbissstände, Bäckereien und Bubble-Tea-Shops, wo der hohle Zahn oder größere Hungerattacken erfolgreich gelindert werden können. 


Das hier ist der Blick von der Bibliothek aus in Richtung Haupteingang des Campus. Die breite Straße in der Mitte ist der Palmen-Boulevard, der das Universitätsgelände in zwei Hälften teilt und einen recht guten Orientierungspunkt bietet. Leider habe ich bislang noch nicht sooo viele Fotos auf dem Campus gemacht, weil ich keine Lust habe, meine Kamera immer mit mir herumzuschleppen. Aber da es im Moment auf den Winter zugeht, ist das Wetter nicht mehr ganz so toll und alles sieht ohnehin grauer und trister aus als es wirklich ist. Vielleicht erwische ich ja demnächst noch einen schönen Tag, dann kommen auf jeden Fall mehr Fotos.
Bis dahin wär's das jetzt aber erstmal wieder. Sobald es spannende Neuigkeiten gibt, werdet ihr es erfahren!





Sonntag, 21. September 2014

Taifun .. ?

Die Überschrift des heutigen Posts endet nicht umsonst mit einem Fragezeichen. Für alle, die bei dem Wort "Taifun" erschrocken reagiert haben und sich Sorgen machen: Völlig unbegründet! Wirklich. Ich habe gehört, dass der Taifun auf den Phillipinen wohl ziemlich schlimm gewütet haben muss und auch in Taiwans Süden waren die Auswirken heftig. Aber hier im Norden, in Taipeh hat man so gut wie gar nichts davon mitgekriegt. Ich muss gestehen, als am Freitag plötzlich alle von einem drohenden Taifun gesprochen haben, hatte ich zuerst ein bisschen Angst. Hab ja schließlich noch nie sowas erlebt. Ich hatte mir einen furchtbaren Sturm mit herumfliegenden Gegenständen und umfallenden Bäumen vorgestellt, natürlich begleitet von unendlichen Wassermassen. Dass die beiden Ausflüge, an denen ich eigentlich gestern und heute hätte teilnehmen sollen, kurzfristig verschoben worden sind, hat meine ohnehin schon angespannte Stimmung nicht unbedingt verbessert. 
Am Samstag sollte nachmittags voraussichtlich der Taifun auf Taiwan treffen. Allerdings sah es gegen Mittag draußen nicht im Geringsten nach Unwetter aus. Die Sonne hat geschienen und abgesehen von vergleichsweise starken Windböen war es ein Tag wie jeder andere. Meine Mitbewohnerin und ich beschlossen also, wenigstens ein bisschen was zu unternehmen und sind in die Shoppingmall des Taipeh 101 gefahren. Gekauft haben wir nichts, weil es ausschließlich Designerläden gab. Dolce&Gabbana, Versace, Gucci, MarcJacobs und so weiter und so fort ... aber zu Gucken gab's genug. Zumal wir dann draußen entdeckt haben, dass in der Gegend um den 101 diverse Malls verstreut sind. Einige sogar mit akzeptablem Preisniveau. Und zwischen den einzelnen Gebäuden waren allerlei Künstler unterwegs, die ein buntes Unterhaltungsprogramm boten. Wir sind noch unschlüssig, ob das immer ist oder ob wir zufällig einen besonderen Tag erwischt hatten.
Am Abend war vom angekündigten Taifun noch immer keine Spur. Stattdessen die neue Nachricht: Morgen kommt der Taifun! Aha. Morgen also. Sorgen haben wir uns trotzdem nicht gemacht. 
Wir haben heute lediglich beschlossen, vorsichtshalber im Wohnheim zu bleiben, falls der Taifun dann wirklich kommt. Da saßen wir also. Draußen ein wolkenverhangender und trostlos grauer Himmel, starker Wind. Das war's. Gegen drei Uhr nachmittags habe ich es nicht mehr ausgehalten und bin mit ein paar Leuten Badminton spielen gegangen, um der Langeweile zu entkommen.
Als wir um kurz nach 18 Uhr fertig waren, hatte das inzwischen schon fast sinnlos erscheinende Warten auf den Taifun ENDLICH ein Ende. Aber enttäuscht bin ich dennoch. Weil es "nur" geregnet hat. Stark zwar, aber trotzdem. Es ist halt Regen. Und ein bisschen windig war es. Aber nicht wirklich etwas Besonderes. Eher normales deutsches Herbstwetter. Daher auch das Fragezeichen in der Überschrift. Und wie gesagt: Sorgen machen in diesem Fall überflüssig ;)  


Nach einem eher weniger spektakulären Wochenende geht morgen also endlich ganz offiziell der Uni-Alltag los. Abgesehen von Chinesisch bin ich noch in zwei anderen Kursen gelandet und habe daher einen relativ entspannten Stundenplan. Daher wollte ich auch mal schauen, ob ich vielleicht in irgendeinen der NTU Clubs reinkommen kann, um neben der Uni einen kleinen Ausgleich zu finden. Außerdem werde ich da sicherlich einige Taiwanesen kennenlernen, was ja wiederum förderlich für mein Chinesisch wäre.

Dienstag, 16. September 2014

"Ein bisschen Bildung...

... muss auch mal sein" war sozusagen das Motto der letzten Tage. In der ersten Woche müssen wir noch nicht so viel in die Uni und außerdem verfügt diese wunderschöne Stadt über eine unheimlich große Auswahl an Museen, Galerien und anderen kulturellen Sehenswürdigkeiten. Was bietet sich da also besser an als all diese Orte der Reihe nach abzuklappern?
Wie ich schon berichtet hatte, begannen Eliezer und ich am Sonntag mit dem Taiwan National Museum. Dort war nicht nur der Eintritt frei, sondern wir haben auch noch interessante Ausstellungen erwischt. Die ändern sich nämlich in regelmäßigem Abstand und im Moment gibt es unter Anderem Islam in Taiwan, Taiwans Schwarze Jade und Ureinwohner Taiwans. Alles sehr informativ und außerdem war das Museum an sich allein von der (Innen-)Architektur her schon sehr schön, wie man ja hier links auf dem Bild sehen kann. Ganz viele Säulen und Gold und Marmor, und die Kuppeldecke erst...richtig toll!

Die beiden anderen Bilder sind Figuren von der Jadeausstellung, an der mich am meisten fasziniert hat, dass es so viele verschiedene Sorten Jade gibt. Ich hab immer gedacht, die wäre nur grün und das war's.
Aber offensichtlich gibt es Jade in vielen verschiedenen Formen, man kann allerlei damit anstellen und wertvoll ist sie natürlich sowieso, je nach Qualität und Verarbeitung.



Am Montag und gestern habe ich mich dann (wieder mithilfe des Reiseführers) eigenständig auf die Socken gemacht, um die Stadt zu erkunden. Als erstes bin ich zur Sun Yat-Sen Gedächtnishalle gefahren, um ein bisschen mehr über diesen Herrn zu erfahren. Das hat leider nicht ganz so gut geklappt, weil ich zu blöd war, richtig herum zu laufen. Ensprechend waren Ereignisse bunt gemischt und leicht zusammenhangslos und dass er politisch für Taiwan wichtig war, wusste ich vorher schon. Kurz bevor ich gehen wollte, hab ich noch einen Wachwechsel miterlebt. Allerdings nicht ganz bis zum Ende, weil es mir ehrlich gesagt zu langweilig wurde. Die Soldaten (?) haben sich nämlich dermaßen langsam bewegt, dass mir irgendwann beim Filmen nach 7 Minuten der Arm abgefallen ist. Und angesichts der Tatsache, dass sie noch lange nicht fertig gewechselt zu haben schienen bin ich gegangen. Nach draußen, wo mich das wohl berühmteste Bauwerk Taipehs schon erwartete. Der Taipeh 101, zu dem man von der Gedächtnishalle aus sogar prima laufen kann. Natürlich nicht ohne vorher ein Foto gemacht zu haben!
Am 101 angekommen musste ich dann feststellen, dass es der Touri-Spot schlechthin ist und ausschließlich Chinesen in großen Gruppen mit Reisebussen angekarrt werden. Der ein oder andere wird sich jetzt fragen, "hä, warum Chinesen? Sind doch alles Chinesen da, oder?". Nein. Sind es nicht! Ich bin ja schließlich in Taiwan, dessen Bewohner folglich Taiwanesen genannt werden. Chinesen dagegen kommen vom Festland und haben hier allgemeinhin einen eher schlechten Ruf, sie gelten als laut und unhöflich.
Nachdem ich also die Shoppingmall in den unteren Stockwerken des 101 erkundet und definitiv für preislich überteuert befunden hatte, habe ich versucht, in der näheren Umgebung des Turms etwas Interessantes ausfindig zu machen. Im Hinblick auf die inzwischen schon fortgeschrittene Stunde, wäre mir ein Nachtmarkt ganz lieb gewesen. Aber irgendwie gab es da nichts, sodass ich mich schließlich wieder auf den Weg zurück zum Wohnheim gemacht habe.

Gestern stand erneut Kultur auf dem Plan. Diesmal eher mit Schwerpunkt auf Historisches. Zunächst ging es zur Chiang Kai-Shek Gedächtnishalle, um chronologisch sinnvollen Anschluss an die zuvor besuchte Sun Yat-Sen Halle zu finden. Von außen wie von innen ein höchst eindrucksvolles Gebäude und diesmal war ich sogar in der Lage, die Ausstellung in der richtigen Reihenfolge abzulaufen. Zu jedem Lebensabschnitt gab es einen Raum mit vielen Fotos und Portraits an den Wänden und jeweils eine große Zeittafel als Übersicht über die wichtigsten Ereignisse. Auch waren persönliche Gegenstände aus den verschiedensten Lebensbereichen Chiang Kai-Sheks ausgestellt.

Zu guter Letzt habe ich noch das Museum für Chinesische Kunstgeschichte besichtigt. Hier musste ich ausnahmsweise mal Eintritt bezahlen, ganze 15 Yuan (ca. 40ct)! Im Übrigen habe ich bisher die Erfahrung gemacht, dass offenbar fast alle Museen oder Galerien freien Eintritt gewähren, insbesondere für Studenten, oder  zumindest einen fairen Preis verlangen.
In dem Kunstgeschichte-Museum jedenfalls bin ich auf einen Professor Starck von der Universität Göttingen gestoßen, der gerade eine Führung bekam. Ich wurde eingeladen, mich der kleinen Gruppe anzuschließen und erhielt so eine professionelle Erklärung zum Künstler und seinem Lebenswerk. Natürlich völlig kostenlos! Und interessant war es auch, weil dieser besagte Künstler wohl ziemlich berühmt war und ich erfuhr, dass er wohl aufgrund verschiedener Einflüsse im Laufe der Zeit seinen Stil immer wieder verändert und teilweise sogar revolutionäre Bilder gemalt hat. Unter Anderem hat er sich von Picassos Kunst inspirieren lassen, denn den hat er einfach mal persönlich getroffen auf einer seiner vielen Reisen.

Fürs Erste wäre es das jetzt erstmal mit Kultur und Geschichte, aber auf meiner imaginären Muss-ich-sehen-Liste steht auf jeden Fall noch das Nationalpalast-Museum! Das soll unheimlich toll sein und die Ausstellung wird wohl jedes Jahr komplett ausgewechselt, sodass es irgendwie 12 Jahre dauert bis jeder Gegenstand einmal zu sehen war. Außerdem gibt es dort wohl ganz viele Ausstellungsstücke, die man damals vor der Kulturrevolution gerettet und von China nach Taiwan geschafft hat. Eliezer war auch daran interessiert, also gehe ich mal davon aus, dass wir zwei das wieder zusammen oder vielleicht in einer kleinen Gruppe in Angriff nehmen werden, sobald wir Zeit dazu haben.