Montag, 24. November 2014

Jilong und Caoling-Trail

Am vergangenen Wochenende kam endlich einmal wieder etwas Abwechslung in meinen sonst so grauen Studentenalltag!
Zusammen mit meiner finnischen Kommilitonin Alli war für Samstag zunächst ein Tagesausflug in die nahegelegene Hafenstadt 基隆 Jilong geplant. Um Punkt neun Uhr morgens ging es los! Via Metro und Bus dauerte kaum eine Stunde bis wir unser Ziel erreicht hatten und es war außerdem mit knapp 50 TWD pro Strecke eine wirklich preisgünstige Fahrt. 
Am Hauptbahnhof in Jilong angekommen haben wir erst einmal das Touristeninformationszentrum gesucht, um uns dort mit einem Stadtplan einzudecken und Informationen über Attraktionen und Besonderheiten der Stadt einzuholen. Die junge Dame im Zentrum hat zwar Chinesisch mit uns gesprochen, doch sie war sehr freundlich, hilfsbereit und kompetent. Erstaunlicherweise haben wir trotz ihrer enormen Sprechgeschwindigkeit auch fast jedes Wort verstanden, sodass unsere weitere Tagesplanung schnell feststand. Mit dem Stadtbus ging es zunächst Richtung Heping Island. Da wir lediglich wussten, mit welcher Linie wir fahren, nicht jedoch wo wir aussteigen mussten, haben wir uns geschickt an eine taiwanesische Reisegruppe gehalten, die zufälligerweise dasselbe Ziel hatte. Die Insel bot einerseits einen traumhaften Blick auf das Meer und den Hafen von Jilong. Andererseits gab es eine kleine Parkanlage mit Rundweg, von wo aus man Turtle Island ansehen konnte sowie die für die Region typischen, pilzförmig ausgewaschenen Sandsteingebilde - davon gibt es noch mehr im Yehliu Geopark, der definitiv noch auf meiner imaginären To-Do Liste steht, weil alle anderen immer so begeistert davon erzählen.
Nach einer kurzen Entspannungspause am Meer haben wir uns wieder auf den Weg zurück zur Bushaltestelle gemacht. Diesmal hatten wir wirklich keine Ahnung, wo wir aussteigen müssen und die mit taiwanesischem Dialekt auf uns einquasselnde Omi hat uns dabei leider auch nicht viel weiter geholfen. So stiegen wir also in den nächstbesten Bus und befragten den Busfahrer - was im Notfall immer eine Option ist. So kamen wir letztendlich doch dorthin, wo wir wollten. Nämlich zum Nationalmuseum für Meereskunde und -technologie, das am anderen Ende der Stadt liegt.
Für rund drei Euro Eintritt konnten wir auf vier Etagen verschiedenen Ausstellungen besuchen. Diese waren zwar recht wissenschaftlich, aber sämtliche Inhalte wurden auf plastische und kreative Art und Weise vermittelt und zwischendurch es gab immer wieder interaktive Darstellungsformen damit auch Kinder (oder wahlweise kindgebliebene Austauschstudentinnen) Gefallen am Museum finden konnten. Ich persönlich würde das Museum auch weiterempfehlen, weil es dort wirklich allerlei interessante Dinge zu entdecken gibt und von Tiefseeforschung über Schifffahrt und meeresbiologische Technologien eine große Bandbreite von Themen angesprochen wird.
Da Bildung ja bekanntlich hungrig macht, sind wir vor unserer Rückkehr nach Taipeh noch auf den 廟口夜市 Miaokou Nachtmarkt gegangen. Dieser ist aufgrund der Küstennähe natürlich von Meeresfrüchten und Fisch geprägt, aber nebst diversen Süßspeisen findet man dort auch "Gewöhnliches" Essen; die Auswahl ist riesig! 
Mit vollem Bauch und einem zufriedenen Lächeln auf den Lippen sind wir nach diesem wunderbaren Tag schließlich wieder in den Bus nach Taipeh gestiegen, mit dem wir diesmal durch Zufall sogar bis zur Bushaltestelle vor der Universität fahren konnten!

Am Sonntagmorgen hieß es dann noch etwas früher aufstehen als am Tag zuvor, denn um acht Uhr sollten wir uns mit anderen Austauschstudenten und zwei Taiwanesen (die alles organisiert hatten) am Haupteingang der Universität treffen. In einer gut zwanzigköpfigen Gruppe stürmten wir zunächst die Metro, dann den Fahrkartenschalter am Hauptbahnhof und schließlich den Zug nach 福隆 Fulong. Dort angekommen haben wir uns mehr oder weniger in Kleingruppen aufgeteilt; während einige noch im 7-Eleven ein bisschen Wegzehrung einkauften oder Sonnencreme auftrugen, um sich gegen die für Ende November ungewöhnlich starke Sonne zu schützen - es waren schlappe 29°C und kristallklarer Himmel!!! - hatten sich andere bereits auf den Weg zum Trail gemacht. Über einen größtenteils geteerten Zubringer erreichten wir nach 3,5km den eigentlichen Wanderweg, den 草嶺古道 (Caoling Old Trail). 
Dieser war dann zum Glück nicht mehr geteert und bestand auch nicht ausschließlich aus Stufen, wie ich nach meinen ersten Wandererfahrungen im Taroko-Nationalpark zunächst befürchtet hatte. Merkwürdige Hinweis- und Warnschilder gab es allerdings wieder genug.
Der insgesamt 8,5km lange Weg teils durch Wald und teils durch freies Feld und es ging stetig bergan. Besonders der letzte Teil der Strecke war landschaftlich sehr schön, weil wir durch von Schilfgras überzogene Hügel gewandert sind, nur um an einem Aussichtspunkt anzukommen, von dem aus man das Meer und die umliegenden Berge überblicken konnte. Nach rund drei Stunden machten wir uns auch schon an den Abstieg, der wiederum sehr gut ausgebaut und daher schnell zu bewältigen war. Außerdem konnten sich die Menschenmassen hier definitv besser verteilen als auf dem teilweise recht engen Wanderpfad. Vielleicht hätten wir uns einfach nicht für einen Sonntag zum Wandern entschließen sollen, denn an manchen Stellen war der Weg wirklich schmal, sodass nur drei oder vier Personen nebeneinanderherlaufen konnten. Fügt man nun noch die Tatsache hinzu, dass es an diesen Engstellen mehr oder weniger steil bergauf ging, dann wird das daraus resultierende Problem schnell offensichtlich: Ein menschlicher Stau, der sich oftmals nur im Schneckentempo voranbewegte, wenn überhaupt! Ein wirklich einmaliger Anblick und eigentlich wahnsinnig lustig, wenn man bedenkt, dass der inoffizielle taiwanesische Nationalsport ja sowieso das Schlangestehen zu sein scheint. Andererseits war es nicht ganz so lustig, selbst mitten im Stau zu stehen, im wahrsten Sinne des Wortes.
Und es sollte auch nur ein kleiner Vorgeschmack auf das werden, was uns im Zug zurück nach Taipeh erwartete. Noch mehr Menschen! Diesmal auf engstem Raum in ein Zugabteil gequetscht, wie Sardinen in der Dose, mit einer Luftfeuchtigkeit annäherungsweise 100% und diversen sich überlagernden Aromen menschlicher Ausdünstungen. Einfach herrlich!
 
Glücklicherweise mussten wir diesen Extremfall nur eine Haltestelle weit ertragen, danach wurde es wieder etwas leerer und angenehmer. Auch die Wanderung an sich war trotz des gelegentlichen Staus sehr lohnenswert und hat viel Spaß gemacht, insbesondere weil wir so viel Glück mit dem Wetter hatten und die Landschaft einfach wunderschön war!
Bei Interesse hätte ich hier einen Link anzubieten, der alle nötigen Informationen zu Anreise, geographischer Lage und Wegbeschaffenheit enthält: http://www.necoast-nsa.gov.tw/user/Article.aspx?Lang=2&SNo=04000486
















Montag, 10. November 2014

Beitou Hot Springs

Man mag es kaum glauben, aber mit Beginn des Novembers scheint auch hier allmählich der Winter hereinzubrechen. Jedenfalls ist es längst nicht mehr so heiß und unerträglich feucht wie es noch vor rund zwei Wochen war; auch die Sonne zeigt sich nur noch gelegentlich. Der wolkenverhangene und stahlgraue Himmel erinnert mich sogar ein bisschen an das Wetter in Deutschland, mit dem kleinen aber feinen Unterschied, dass es denn hier doch nicht ganz so kalt ist. In langer Hose und T-Shirt lässt es sich derzeit noch sehr gut aushalten. Außerdem sind die deutlich kühleren Temperaturen der perfekte Anlass, um einen entspannten Nachmittag bei den Heißen Quellen zu verbringen!
Eine gut fünfundvierzigminütige Fahrt mit der Metro liegt zwischen unserem Wohnheim und der Haltestelle Beitou im nördlichen Teil von Taipeh. Dorthin hat es mich und meine finnische Freundin Alli am Sonntagnachmittag verschlagen, weil wir beide uns eine wohlverdiente Auszeit von Stress und Uni-Alltag gönnen wollten. 
Die Heißen Quellen sind nur knapp zehn Gehminuten von der MRT-Haltestelle entfernt und ganz einfach zu finden. Auch den Eintrittspreis von 50 NTD würde ich mehr als "human" beschreiben, als Studenten der NTU haben wir sogar nur 20 NTD bezahlt. 


Zugegeben, die Anlage war jetzt mit sechs Becken nicht riesengroß, aber ein Besuch lohnt sich definitiv! In vier Abstufungen von 35 bis 47°C  fängt man im untersten Pool an und arbeitet sich dann vorsichtig hoch; zwei untemperierte Becken dienen der Abkühlung zwischen den einzelnen Stufen. 
Man sollte sich auf jeden Fall vor jedem Bad zunächst die Füße mit etwas Wasser begießen, um den Körper vorsichtig an die Hitze zu gewöhnen. Danach sollte man sich auch relativ zügig komplett in das Becken begeben, weil sonst das Herz zu sehr beansprucht werden könnte. Außerdem gab es wieder überall Warnschilder und übereifrige Taiwanesen, die förmlich darauf warten, den unkundigen Ausländer eines Besseren zu belehren. Auch im Hinblick auf meine in weiser Voraussicht ordentlich zu einem Zopf geflochtenen Haare, deren Spitzen keinesfalls im Wasser hängen durften! 
Ich fasse kurz zusammen: Leider hatten wir nur knapp 45 Minuten Zeit, weil es offenbar zu bestimmten Zeiten einen Schichtwechsel gibt, den man beachten sollte, wenn man einen längeren Aufenthalt in den Heißen Quellen plant. Allerdings war das Baden unheimlich entspannend und ich wäre gern noch länger geblieben! Das heißeste Becken war uns übrigens ein bisschen zu warm und wir haben es bei der mittleren Stufe belassen. Auch bin ich nicht sicher, was genau man dem Wasser zusetzt. Schlau wie ich bin habe ich mir nämlich mit der nassen Hand über Nase und Mund gewischt und mir DANN über die Lippen geleckt ... salzig war es nicht und Alli meinte, es sei vermutlich Schwefel. Aber ehrlich gesagt habe ich keine Ahnung und will hier auch kein falsches Halbwissen verbreiten.
Was ich mit Sicherheit sagen kann ist, dass man auf jeden Fall auf seinen Kreislauf Acht geben sollte. Ähnlich wie in der Sauna sind auch die Heißen Quellen nicht unbedingt die leichteste Übung für unser Herz-Kreislauf-System - mir jedenfalls ist zwischendurch ein wenig schwummrig geworden und ich musste mich erst einmal wieder aklimatisieren.
Ach ja! Und überfüllt war es auch nicht, obwohl Sonntag war und ich das eigentlich ein bisschen erwartet hätte. Sehr angenehm also und der perfekte Ausgleich zum ansonsten recht hektischen Leben in Taipeh.



Um einen perfekten Tag ausklingen zu lassen, sind wir abends noch auf einen Nachtmarkt gegangen, der nicht nur auf unserem Rückweg lag sondern zur Abwechslung mal nicht von Touristen überlaufen war. Neben dem üblichen Nahrungs- und Getränkeangebot gab es auch sehr günstige Kleidung und Schuhe zu kaufen; Widerstand zwecklos ...




Donnerstag, 6. November 2014

Studentenleben (2/3)

Im Moment vergeht die Zeit wieder wie im Flug, sodass ich kaum Zeit zum Bloggen finde. Allerdings gibt es auch nur wenig Neues und Spektakuläres zu berichten, da ich tatsächlich die meiste Zeit über mit Unikram und lernen beschäftigt bin. Die Mid-Terms (also die Semester-Zwischenprüfungen) stehen vor der Tür und ich bin zugegebenermaßen froh darüber, dass ich nur eine einzige solche Prüfung in Chinesisch habe. Für meine anderen Fächern muss ich diverse Referate, kleine Hausaufgaben und Präsentationen vorbereiten, sodass ich im Grunde auch ohne Mid-Terms mehr als genug zu tun habe.
Dennoch finde ich gelegentlich die Zeit für etwas "Schönes". So beispielsweise am vergangenen Donnerstag. In der Nähe meines Wohnheims hatten einige einheimische Studenten der NTU für uns International Students einen Kulturabend organisiert. Dort habe ich zum Beispiel gelernt wie man Chinesisches Schach spielt.

Anfangs fiel es mir schwer, mir die neuen Spielregeln zu merken und die mit chinesischen Zeichen beschrifteten Spielsteine voneinander zu unterscheiden. Aber da 象棋 (XiangQi), wie es auf Chinesisch heißt, sehr viel weniger kompliziert als unsere westliche Version des Schachspiels ist, hatte ich den Dreh schnell heraus. Von meinem Tandempartner habe ich im Nachhinein erfahren, dass wir an jenem Abend vermutlich eine vereinfachte Spielart beigebracht bekommen hatten. Denn in der ihm bekannten Version kann man wesentlich speziellere Züge mit den einzelnen Figuren machen, was das Spiel ein wenig komplexer werden lässt. Spaß hatte ich trotzdem!
Außerdem haben wir an diesem kulturellen Abend noch Kalligraphie-Unterricht bekommen. Es war eigentlich mehr eine Vorführung dessen, wie man es eigentlich machen sollte, also wie man den Pinsel richtig hält und wie es aussehen kann, wenn man jahrelange Übung in Kalligraphie hat. Für mehr haben leider Platz und Zeit nicht ausgereicht, aber für einen kurzen Einblick hat es allemal genügt. Vor allem habe ich gelernt, dass Kalligraphie tausendmal schwieriger ist als ich bisher geglaubt hatte, was meine Bewunderung für diese Kunst und ihre Meister um einiges hat ansteigen lassen. Meine eigenen kläglichen Versuche möchte ich hier lieber nicht zeigen. Stattdessen ein Foto von meinem persönlichen Andenken an den Abend:
Ein Bogen roten Papiers, auf das man normalerweise "Glück", "Reichtum" oder dergleichen schreibt - zur Feier des Tages durften wir uns aussuchen, was die Kalligraphie-Meister auf unsere Zettel schreiben sollten. Und falls ihr euch fragt, was wohl mysteriöses da stehen mag: Es ist lediglich mein Name auf Chinesisch.

Abgesehen von diesem bunten und lustigem Abend habe ich mich auch ein bisschen kulturgeschichtlich weitergebildet. Zusammen mit einer finnischen Freundin war ich letzten Dienstag im 國家故宮博物館, dem Nationalpalast-Museum der Republik China in Taipeh. 
Dort werden in einer der weltweit größten Austellungen zahllose Kunstwerke und Artefakte gezeit, die über Dynastien hinweg von den Herrschern des Chinesischen Kaiserreiches angesammelt worden waren; darunter wertvolle Gemälde, diverse kunsthandwerkliche Gegenstände und Gefäße, antike Möbelstücke, Bücher und Kalligraphien, Schmuck und noch vieles mehr. 
Dieses kulturelle Erbe Chinas befand sich einst in der Schatzkammer des kaiserlichen Palastes in der Verbotenen Stadt in Peking und wurde einige Jahre nach dem Sturz der Ming-Dynastie und Gründung der Republik China (1911) erstmals der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Nach Ende des chinesischen Bürgerkrieges 1949 gelangten die Kunstschätze nach Taiwan, wo sie heute (noch nahezu vollständig erhalten) im Nationalpalast-Museum in einer ständig wechselnden Ausstellung zu sehen sind.
Leider herrscht im gesamten Museum ein strenges Fotografierverbot, aber ich kann versichern, dass sich ein Besuch definitiv gelohnt hat; zumal uns (einheimischen) Studenten wieder einmal kostenloser Eintritt gewährt wurde! Ich kann nicht sagen, welcher Teil der Ausstellung oder welches Handwerksstück mich am meisten beeindruckt hat. Sowohl die antiken Gefäße und Waffen aus uralten Zeiten als auch die filigran bemalten Vasen und Parfümfläschchen und nicht zuletzt die Gemälde und Edelsteine haben alle etwas für sich. Außerdem hatte ich die einmalige Gelegenheit, das wertvollste und berühmteste Stück der gesamten Ausstellung mit eigenen Augen zu sehen. Er ist der ganze Stolz des Museums und die Besucher stehen regelmäßig Schlange, um ihn einmal zu Gesicht zu bekommen: Der Chinakohl! 
Nein, das ist kein Scherz, das ist mein voller Ernst. Es ist tatsächlich ein Kohlkopf. Aus Jade wohlgemerkt, mit kleinen Verzierungen und unglaublich wertvoll. Aber dennoch ist es ein Kohl. Vergleichbar mit der Mona Lisa im Louvre: Alle schwärmen wortreich und begeistert davon und am Ende ist man leicht bis mittelschwer enttäuscht von der Wirklichkeit... Mein persönliches Highlight war er jedenfalls nicht, der Chinakohl. Er hat vielmehr zur allgemeinen Erheiterung von Alli und mir beigetragen; insbesondere nachdem wir das zweitwichtigste und nicht minder berühmte Stück der Ausstellung bewundert hatten: Ein Stein, der einem Stück Fleisch ähnelt.
Für diejenigen, die nun doch etwas neugierig geworden sind, was an Fleisch und Kohl wohl so reizvoll sein mag, dass es gleich zum Nationalheiligtum erklärt wird, hier ein Link zu einem Bild mit den beiden "Kunstwerken": https://www.flickr.com/photos/textlad/5193298207/









 

Freitag, 24. Oktober 2014

Taroko Nationalpark

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Es ist Donnerstag, kurz nach 13 Uhr: Nachdem ich den Vormittag damit zugebracht habe, meine Siebensachen möglichst sinnvoll und platzsparend im Rucksack zu verstauen, stehe ich nun abfahrtsbereit vor dem Wohnheim. Zusammen mit zwei anderen deutschen Mädels ist übers Wochenende eine kurzer Ausflug in den Taroko-Nationalpark 太魯閣國家公園 geplant.  

Dieser erstreckt sich von Hualian 花蓮 an der Ostküste Taiwans über rund 92.000 Hektar ins Landesinnere (siehe auch http://de.wikipedia.org/wiki/Taroko-Nationalpark#mediaviewer/File:Taroko-Naional-Park-Map-Taiwan.png ) und war in jedem unserer Reiseführer als ein absolutes Muss vermerkt. Davon mussten wir uns natürlich mit eigenen Augen überzeugen und im Nu waren Pläne für ein richtiges Wanderabenteuer mit Zelt und allem Drum und Dran ausgeheckt.
Unternehmungslustig und in voller Montur bis oben hin bepackt geht es zunächst in Richtung Taipeh Hauptbahnhof, von wo aus wir den Zug nach Hualian nehmen wollen. Knapp dreieinhalb Stunden - und unzählige verwunderte Blicke auf unser ungewöhnliches Aussehen - später steigen wir in Xincheng 新城 aus, einem kleinen Städchen ganz in der Nähe vom Parkeingang. Da es nach 18 Uhr ist, hat der Park bereits geschlossen und anstelle des Shuttle-Busses nehmen wir ein Taxi. Im Schein unserer Taschenlampen schlagen wir auf einer Wiese neben dem Besucherzentrum am Taroko-Haupteingang unser Zelt auf - das wir im Übrigen inklusive dreier Luftmatratzen für gerade einmal 25€ bei einem Geschäft für Campingbedarf geliehen haben.
Nach einer unruhigen Nacht, in der ich aus Angst um unser wild umherflatterndes Außenzelt und wegen der ungewohnten (obwohl ausnahmsweise nicht nervtötendgroßstadtmäßigen) Geräusche kaum ein Auge zugetan habe, werden wir am Freitagmorgen mit strahlendem Sonnenschein geweckt. Auf ein provisorisches Frühstück folgen Zeltabbauen und eine allgemeine Lagebesprechung. Im Besucherzentrum statten wir uns mit Busfahrplan und Wanderkarte aus und dann kann es auch schon los gehen!
Auf dem Weg zur Haltestelle des Shuttle-Busses, der uns in die Mitte des Parks - nach Tianxiang - bringen soll, ziehen wir wieder alle Blicke auf uns. Heimlich oder auch ganz offensichtlich schießt man Fotos. Schließlich sind drei blonde Mädels in Wanderoutfit mit Backpack auf dem Rücken und Zelt im Gepäck DIE Attraktion schlechthin! Insbesondere wenn man bedenkt, dass der durchschnittliche Ottonormaltaiwaner scheinbar ein komplett anderes Verständnis vom Wandern hat als wir Ausländer: In schicker Kleidung, feinen Schuhen und höchstens mit einer Handtasche ausgestattet schließt man sich Reisegruppen an, um die bekanntesten sehenswerten Orte nach und nach abzuklappern. Natürlich nicht ohne ausreichend Beweisfotos geknipst zu haben, um sich später bei Freunden und Kollegen zu brüsten!

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Entsprechend sind die sogenannten "Wanderwege" im gesamten Taroko-Nationalpark in zwei Kategorien aufgeteilt: Entweder sind sie sehr breit, befestigt, tausendfach gesichert und durch zahllose Zäune und Warnschilder gekennzeichnet. Dies sind dann "landschaftliche" Wege. Oder es sind tatsächlich als solche bezeichnete "Wander"-Wege, die zwar weniger Sicherheitsschilder haben, aber größtenteils aus Treppen bestehen.
Abgesehen davon gibt es noch eine dritte Art von Wegen, nämlich kleine Pfade und Trails, die sich durch den (Ur)wald winden und gern auch mal steil einen Berg hinauf führen. Eben solche, die ich persönlich tatsächlich als Wanderweg bezeichnen würde. Die sind für gewöhnliche Wanderer (aus Sicherheitsgründen) gesperrt und man braucht eine spezielle Hochgebirgs-Wandererlaubnis oder einen persönlichen ortskundigen Führer ... nun ja, "andere Länder, andere Sitten" oder wie man so schön sagt. 

Auch wenn das jetzt gerade eher so klang, als hätten wir keinen Spaß gehabt, war es dennoch ein einmaliges Erlebnis! Zwar sind wir nicht unbedingt voll auf unsere Kosten gekommen, was das Wandern anbelangt. Aber der Taroko-Nationalpark ist landschaftlich einfach atemberaubend und wunderschön! 

Am ersten Tag haben wir den Baiyang-Waterfall-Trail gemacht.
Dabei kann ich mich nicht entscheiden, ob mich die Hängebrücke mit den unter ihr liegenden Felsen und Schluchten mehr beeindruckt hat oder doch der Gang durch einen Tunnel mit kleinen, von der Decke kommenden Wasserfällen im Innern.
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Außerdem hatten wir den ganzen Tag über extrem schönes Wetter und haben auf unserer Wanderung die verschiedensten Arten von Schmetterlingen beobachten können. Abends hätte uns für den perfekten Abschluss nur noch ein Feuerzeug oder Streichhölzer gefehlt, weil wir auf unserem Zeltplatz theoretisch die Erlaubnis gehabt hätten, ein Lagerfeuer anzuzünden. Echtes Camping-Feeling kam trotzdem auf, weil es keine Duschen gab und wir uns daher im Freien unter einem Brunnen waschen mussten. Und der Sternenhimmel erst...!
 
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Am zweiten Tag hatten wir Einiges vor, sodass für Samstagmorgen der Wecker auf 6 Uhr eingestellt war. Zu einer solch unchristlichen Uhrzeit aufzustehen war nicht unbedingt einfach, hat sich dafür aber gleich doppelt bezahlt gemacht. Einerseits waren wir vom ersten Trail zurück bevor der Park von Touristenmassen überschwemmt wurde. Andererseits hätten wir wohl kaum die geheimnisvoll in morgendlichen Nebel eingehüllte Landschaft zu Gesicht bekommen, die eine täuschende Ähnlichkeit mit den fliegenden Bergen in Pandora aus dem Film Avatar hatte. Wir konnte also in aller Ruhe unsere traumhaft schöne Umbebung bewundern, ein bisschen wandern (Lushui Trail) und hatten außerdem noch mehr als genug Zeit, Frühstück zu besorgen und das Zelt abzubauen bevor wir uns wieder in Richtung Besucherzentrum am Parkeingang aufgemacht haben. Dort wollten wir nämlich noch eine letzte Wanderung unternehmen und uns gegen Nachmittag auf den Heimweg machen.
Der Haken an unserem wunderbar durchdachten Plan war nur, dass so früh leider noch kein Shuttele-Bus fuhr. Allerdings blieb uns nichts anderes übrig, als uns dennoch mit Sack und Pack an die Straße zu stellen und auf ein vorbeifahrendes Auto oder einen Bus zu hoffen. 
Wir wollten schon beleidigt aufgeben, als das erste Fahrzeug gekonnt unseren ausgestreckten Daumen ignorierte und im Eiltempo vorbeifuhr. Doch keine zwei Minuten später kam es zu unserem Erstauen zurück! Man fragte uns, wo wir denn hinwollten und im nächsten Moment saßen wir auf der Rückbank einer singapurischen Familie mit zwei Kindern, die gerade auf Kurzurlaub in Taroko unterwegs war. Die vierzigminütige Fahrt war ziemlich cool, viel lustiger als Busfahren und dann auch noch kostenlos!
 

        Am Besucherzentrum angekommen haben wir unsere Rucksäcke umgepackt, das schwere Gepäck in die Obhut der Parkwächter gegeben und uns postwendend wieder auf den Weg gemacht. Als nächstes stand der Shakadang-Trail auf unserer Liste, der in die "landschaftliche" Kategorie gehört und entsprechend von Touristen besucht war. Da sich die Natur rund um die Wanderwege im Nationalpark überall ziemlich ähnlich ist, unterschied sich unser Ausblick nicht wesentlich von dem, was wir am Vortag bereits ausgiebig bewundert hatten. Schön war es trotzdem.
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Zumal wir am Ende noch ein bisschen im Urwald rumgewuselt und den Anfang eines anspruchsvolleren Trails (also einen mit Treppen) "gewandert" sind. Außerdem haben wir wieder ganz viele exotische Tierchen entdeckIch wäre auch gern noch einen Tag länger geblieben, aber irgendwann muss man ja auch mal was für die Uni tun ...

Am Samstagnachmittag gegen 16 Uhr beluden wir uns also ein letztes Mal mit all unserem Gepäck und machten uns auf den Weg zum Bahnhof. Von dort sollte es zurück nach Taipeh gehen, jedoch nicht auf direktem Weg, weil wir noch einen Tipp meines Tandempartners ausprobieren wollten. 
Er hatte uns nämlich den Nachtmarkt in Luodong empfohlen, was quasi auf halben Weg nach Hause liegt.  
Das Gepäck konnten wir problemlos am Bahnhof in Schließfächern lassen und nach einem langen Tag mit Wandern und Zugfahren erwies sich der Nachtmarkt als wunderbare Möglichkeit, unseren letzten Abend entspannt ausklingen zu lassen. Mit Pizza im Hörnchen, Zuckerwatte-Küken und pechschwarzen, hornförmigen Nüssen, deren Geschmack an Maroni erinnerten - nur um einige Besonderheiten zu nennen.




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Ich habe vor Kurzem diesen Post bearbeitet und einige Fotos hinzugefügt, die eigentlich nicht von mir sind sondern von einer Freudin. Sie hat nämlich eindeutig eine bessere Kamera als ich und kann auch noch damit umgehen, wie man ja auf den mit Sterchen markierten Fotos deutlich erkennen kann! 
Nachdem wir gegenseitig die Fotos von unserem kleinen Abenteuer ausgetauscht hatten, habe ich einige davon mit ihrem Einverständnis in meinen Blog aufgenommen.
Für diejenigen unter euch, die Interesse daran haben, noch mehr ihrer Bilder anzuschauen, hier ein Link zu ihrem eigenen Blog (der ist allerdings auf Englisch geschrieben)













 

Mittwoch, 15. Oktober 2014

Crazy Taiwan (2)

Taiwan ist anders, keine Frage! Das Thema hatte ich ja vor einiger Zeit schon ausgiebig erörtert. Man sollte also meinen, dass mich hier nichts mehr schocken oder überraschen könnte. Falsch gedacht. In Wahrheit bin ich immer wieder aufs Neue verwundert über Dinge, die Taiwan so sehr von meiner Heimat unterscheiden.
Fangen wir mit den Lebenshaltungskosten an. Eigentlich sind die vergleichsweise gering, nur in Taipeh ist alles "teuer". Zumindest nach taiwanesischen Verhältnissen, denn für eine komplette Mahlzeit bezahlt man (großzügig gerechnet) gerade mal zwischen 1 und 2,50€. Wenn man nicht gerade in ein Spitzenklasseluxusrestaurant geht. Auch Kleidung ist auf dem Nachtmarkt, und teilweise in Geschäften, relativ günstig, je nach dem wo man schaut. Insgesamt beläuft sich der Gesamtbetrag meiner täglichen Ausgaben auf rund 5€. Außer ich mache den großen Fehler, im Supermarkt einkaufen zu gehen. Äpfel sind besonders gefährlich. Oder Nutella und jegliche Art von nicht-asiatischen Süßigkeiten. Wie man auf den nebenstehenden Fotos unschwer erkennen kann, handelt es sich um ein normalgroßes Nutella-Glas und einen völlig gewöhnlichen Apfel. Für ersteres hätte ich umgerechnet fast 6€ bezahlen müssen; und nein, es ist NICHT das 1KG-Jumbo-Glas (ich will gar nicht wissen, wie viel das gekostet hätte...). Den Apfel hingegen habe ich tatsächlich gekauft. Für stolze 40 TW$, was in etwa 1€ entspricht. Weil ich nämlich unfähig war aus dem Gewirr von Schildern und Preisen den Kilopreis abzusehen. Vielleicht gibt's sowas auch gar nicht. Auf dem Markt geht es jedenfalls nach Stückpreis soweit ich weiß. Der liegt im Schnitt bei 5 Äpfel für 2,50€.
Auch Müsli, Cornflakes und andere Vollkorn-Frühstücks-Produkte sind ziemlich teuer. 
Ich könnte jetzt weiter machen, aber halten wir fest: Demnächst lieber einmal mehr fragen anstatt einfach blind zu kaufen; beziehungsweise werde ich westliche Produkte künftig endgültig von meiner Speisekarte streichen müssen. Oder ich lache mir einen reichen Taiwanesen an, der mir Apfelmüsli kauft...

Kommen wir nun von Supermärkten zum Straßenverkehr. Der wird zu Stoßzeiten zwar vorbildlich von Polizisten mit Warnweste, Trillerpfeife und Signallampe kontrolliert. Aber im Großen und Ganzen muss man echt vorsichtig sein, dass man nicht von Motorrädern überfahren wird oder aus dem Bus fällt. Kein Scherz, das ist ernst gemeint! Ich bin letztens mit meinem Tandempartner zu IKEA gefahren, wo es, ganz nebenbei bemerkt, sooo spannend nu auch wieder nicht war, weil das Sortiment im Grunde ein- und dasselbe ist wie in Deutschland und überall anders auf der Welt. Jedenfalls sind wir mit dem Bus hingefahren und das ist hier echt eine Kunst für sich. Erstmal muss man sich durch den Wust aus Buslinien wühlen, was zum Glück Bo-jun für mich übernommen hatte. Dann muss man den entsprechenden Bus heranwinken, weil er sonst einfach weiterfährt. Bezahlt wir entweder beim Ein- oder Aussteigen, je nach dem was vorne beim Fahrer gerade angezeigt wird. Und jede fahrt kostet nur 12 TW$. Im Vergleich zur Metro ist das echt günstig und ich möchte daher auch eigentlich lernen, allein Bus zu fahren. Wenn ich recht überlege, ziehe ich andererseits Metrofahren eindeutig vor. Weil die Busfahrer sich nicht nur mit rasanter Geschwindigkeit und knappen Manövern durch die vollgestopften Straßen Taipehs schlängeln. Sondern vor Allem, weil sie kurz vor der Bushaltestelle in voller Fahrt einfach schon mal die Tür aufmachen. Damit man schneller aussteigen kann. Oder wahlweise einfach aus dem Bus fällt? Ganz ungefährlich ist das jedenfalls nicht. Und Sitzenbleiben bis der Bus steht ist auch leichter gesagt als getan, weil es dann nämlich unter Umständen passieren kann, dass der Bus einfach weiterfährt, weil man nicht schnell genug ausgestiegen ist. 
Wenn man nun zu Fuß unterwegs ist, sollte man stets ein wachsames Auge auf den Straßenverkehr haben. Zwar genießt man in Taipeh die Vorzüge von Bürgersteigen und zahlreichen Fußgängerampeln, die in der Regel in Verbindung mit einem Zebrastreifen zu finden sind. Allerdings sind Taiwanesen in puncto "Rücksicht auf Fußgänger" nicht ganz so bewandert. Oder haben schlichtweg ein anderes Verständnis davon. Wer nicht dreist drauflos fährt (oder geht), hat verloren. Selbst wenn man sich gerade als Fußgänger auf einem Zebrastreifen befindet, den man bei grüner Ampel überqueren möchte. In solchen Fällen kommen die verkehrsregulierenden Polizisten gerade recht, da sie rücksichtslose Autofahrer gnadenlos aufhalten (durch wildes Winken teilweise, indem sie mit ihrer Signallampe auf die Motorhaube klopfen!). Bei Gelegenheit werde ich das Durcheinander gern einmal fotographisch für euch festhalten. Leider hatte ich bislang zwar genug Gelegenheiten, war aber immer zu sehr um meine eigene Sicherheit besorgt als dass ich ein schönes Foto hätte schießen können.

Ein letzter eigenartiger Punkt, den ich heute noch mit euch teilen möchte, ist das Müllauto! Ich würde sogar behaupten, in Deutschland gibt es etwas Vergleichbares. Nämlich den Tüdelühmann - besser bekannt als Schrottsammler, der mit Musik durch die Straßen gondelt und Altmetall einsammelt und den schon jedes Kind kennt.
Die Parallele zur taiwanesischen Müllabfuhr besteht nun hauptsächlich darin, dass auch sie Musik spielt. Mit dem kleinen aber feinen Unterschied, dass hier tatsächlich Müll eingesammelt wird. Sobald "Für Elise" oder ein anderes bekanntes klassisches Musikstücke ertönt wissen die Menschen, dass das Müllauto naht. Sie stehen dann mit ihren Müllsäcken am Straßenrand und warten geduldig darauf, diese der Müllabfuhr überlassen zu können. Leider kann man es auf dem Foto nicht so gut erkennen, aber das gelbe Auto im Hintergrund, das den ganzen Verkehr aufhält, ist das Müllauto. Das weiße im linken Bildrand ist ein Altmetallsammler.

Oh, jetzt hätte ich fast das Lustigste vergessen! Ich hatte ja bereits angedeutet, dass es allmählich kühler wird. Der Winter naht und man kleidet sich auch entsprechend. Jedenfalls tun das die Taiwanesen, denen bei rund 20°C offenbar tatsächlich so frisch wird, sodass sie langärmlige Kleidung, Jacken und lange Hosen tragen. Ich selbst empfinde derartige Temperaturen durchaus noch als frühlingshaft, besonders weil es ja nur morgens wirklich "kalt" ist. Im Laufe des Tages steigen die Temperaturen, aber es wird nicht mehr unerträglich heiß, ein leichter Wind weht und die Sonne scheint angenehm warm auf die Haut. Allerdings kommt es mir so vor, als würde nur ich das so sehen. Denn die Mehrheit mustert mich mit entgeisterten Blicken als käme ich von einem anderen Stern, wenn ich in kurzer Hose und T-Shirt vorbeilaufe...



 






Donnerstag, 9. Oktober 2014

Taiwan Coolinarisch (1)

Allmählich wird es Winter hier in Taiwan. Die Temperaturen haben sich merklich abgekühlt, die Luftfeuchtigkeit ist zurückgegangen und es regnet jetzt sehr oft. Natürlich ist das noch lange kein Winter im eigentlichen Sinne. Aber ich hatte mich gerade einigermaßen an das Klima hier angepasst, sodass ich jetzt bei wolkenverhangenem Himmel und 25°C lieber mit langer Hose aus dem Haus gehe. Grundsätzlich ist es momentan recht angenehm draußen, wie ihr unter folgendem Link sehen könnt http://www.cwb.gov.tw/V7e/forecast/taiwan/Taipei_City.htm - Aber ich bin mal gespannt, wie "kalt" es hier wirklich noch werden wird...
Heute ist Nationalfeiertag in Taiwan. Man nennt ihn auch "Doppelzehner", weil er am 10. Oktober stattfindet und natürlich haben wir keine Uni. Daher hatten wir - zwei andere deutsche Mädels und ich - ursprünglich geplant, unser langes Wochenende im Taroko Nationalpark zu verbringen. Allerdings sind nicht nur sämtliche Züge komplett ausgebucht sondern auch das Wetter verspricht für die nächsten Tage hauptsächlich Regen. Als Schönwetterwanderinnen haben wir leider keine große Lust darauf, vier Tage lang durch Nässe und Matsch zu latschen und nachts mitsamt unserem Zelt womöglich noch irgendwo ins Nirgendwo gespült zu werden. Kurzerhand haben wir den Ausflug also erst einmal verschoben, in der Hoffnung, dass nächstes Wochenende das Wetter besser mitspielen wird.
Etwas enttäuscht bin ich ja schon, zumal das nicht die erste Sache ist, die diese Woche irgendwie nicht ganz so rund läuft. Auf der anderen Seite hätte ich sonst gestern nicht die Möglichkeit gehabt, eine tyisch chinesische Spezialität auszuprobieren. Alternativ sind wir nämlich zusammen 火鍋(Hotpot) essen gegangen. Im Prinzip ist das eine Art Suppe mit kunterbunt zusammengewürfelten Zutaten, die man je nach persönlichem Geschmack im Vorfeld auswählen kann. Manchmal kann man auch eine besondere Basisbrühe bestellen, ansonsten ist es normales Wasser. 
In Mitte jedes Tisches ist ein kleiner Gasherd eingelassen, auf den ein Wok gestellt wird. Darin brät man zunächst Fleisch und/oder Fisch an, dann kommen Gewürze und Wasser und alles andere hinzu. Verschiedene Gemüsesorten, Vogeleier (die winzigen, die es auch in Thailand immer gab), Tofu, Glasnudeln, Pilze und und und ... 
In separaten kleinen Schüsselchen kann sich jeder noch individuelle "Würzmischungen" zusammenstellen. Ich hatte zum Beispiel eins mit Sojasauce und ein anderes mit Frühlingszwiebeln und Chilies. Eine Schale Reis darf natürlich auch nicht fehlen! 
Später auf dem Nachtmarkt gab's noch ein Eis für den süßen Zahn. Diesmal nicht ganz so traditionell wie mein letztes, sondern Crushed Ice, eine Kugel Milcheis und Obst. Außerdem war glaub ich noch eine Art Sirup drauf. Sehr lecker und die perfekte Abrundung für einen tollen Abend!

Abgesehen vom Hotpot habe ich diese Woche gleich noch eine taiwanesische Besonderheit ausprobiert, nämlich die berühmten 小籠包 (Xiao'long'bao, spezielle "Suppen"-Dumplings) im 鼎泰豐 (Din'tai'feng)-Restaurant des Taipeh 101!
Normalerweise stehen die Leute vor dem Eingang des Restaurants Schlange, nur um Xiaolongbao zu essen. Und das kann teilweise bis zu zwei Stunden dauern! Aber wir hatten Glück: Mittwochs nachmittags gegen 17h scheint dort nicht allzuviel los zu sein und wir trauten unseren Augen und Ohren kaum, als wir ohne Umschweife direkt einen Tisch zugewiesen bekamen. Neben den heiß begehrten 小籠包 (hier links) haben wir noch scharfe Shrimp-Dumplings und Nudelsuppe bestellt. Alles sehr lecker und lohnenswert, auch wenn es vergleichsweise teuer ist.
Ihr fragt euch sicher, was denn nun so spannend an Dumplings sein kann. Schließlich sind das doch bloß Teigtaschen mit Füllung, oder? Naja, im Prinzip stimmt das schon. Aber anders als andere Dumplings sind die Xiaolongbao zusätzlich mit einer Art Fleischbrühe gefüllt, was sie besonders lecker und speziell macht. Das mag vielleicht nicht Jedermanns Sache sein, aber ich persönlich würde sagen, dass man definitiv etwas verpasst hat, sollte man bei einem Taiwanaufenthalt dem DinTaiFeng keinen Besuch abstatten. Genauso wie Hotpot. Beides muss man wenigstens ein Mal probiert haben!

Abgesehen vom Thema Essen würde ich jetzt liebend gern von der Mondfinsternis am letzten Mittwoch berichten. Ich hatte mir das Spektakel eigentlich vom Elephant Mountain aus anschauen wollen. Oder wenigstens vom Dach unseres Wohnheims aus. Ja, man kann auf das Dach! Das habe ich letztens durch Zufall von einem Kommilitonen erfahren und war ganz aus dem Häuschen. Der Ausblick von dort oben ist atemberaubend, nur bin ich leider bisher noch nicht dazu gekommen ein paar schöne Fotos zu machen. Die Mondfinsternis wäre da die Gelegenheit gewesen, aber ich Doofi hab dieses einmalige Ereignis natürlich einfach mal komplett vertrödelt. Erst als ich am Mittwochabend um kurz vor halb 9 nach draußen gegangen bin und einen winzigen roten Fleck am Rand des Mondes sah, fiel mir siedend heiß ein, was ich eigentlich vor gehabt hatte...









Dienstag, 30. September 2014

Von Elefantenbergen und alten Straßen

Nach einer relativ ruhigen Woche habe ich am Wochenende endlich wieder etwas spannenderes unternommen als Chinesisch zu lernen und den Tag in der Uni zu verbringen.
Am Samstag stand zunächst der sogenannte Elephant Mountain (Elefantenberg) auf unserem Plan. Er liegt am südlichen Rand Taipehs und ist insbesondere wegen der beeindruckenden Aussicht über die Stadt sehr bekannt.
In weiser Vorraussicht haben wir, eine koreanische und eine deutsche Freundin und ich, uns erst nachmittags auf den Weg gemacht. Wir wollten nämlich nicht in der prallen Mittagshitze wandern und außerdem später beim Abstieg den Sonnenuntergang bewundern. Mit der Metro ging es zunächst an den Stadtrand Teipehs, von wo aus wir nur noch ein kleines Stückchen bis zum Eingang des "Wander"-Weges laufen mussten. Allerdings erwartete uns dort kein sich in Schlangenlinien den urwaldbewachsenen Berghang hinaufwindender Trampelpfad, sondern Treppen. Ja, genau, Treppenstufen! Mehr oder weniger schurgerade führten sie direkt bis zur Spitze des Elephant Mountain, wo sie in einer Art Aussichtsplattform endeten. Von dort aus führten dann - selbstverständlich wiederum gepflasterte Wege - zu verschiedenen anderen Hügeln der Umgebung. Zwar war es nicht ganz das, was wir uns vorgestellt hatten, aber Spaß gemacht hat es trotzdem.
Unter anderem, weil wir mitten im Urwald gewandert und allerlei spannenden Pflanzen und Tieren begegnet sind - leider waren auch riesige Spinnen dabei, die zwar friedlich in ihren Netzen gehockt haben, aber in meinem Zimmer hätte ich die nicht so gern haben wollen...
Da man innerhalb von 20 Minuten oben ist, hatten wir noch genug Zeit, ein wenig umherzuwandern bevor wir uns wieder auf den Rückweg nach unten gemacht haben. Natürlich nicht ohne vorher mit gefühlten hundert anderen Menschen zusammen die abendliche Skyline von Taipeh angeschaut und fotographisch festgehalten zu haben! In natura sieht das noch tausendmal schöner und eindrucksvoller aus als auf nem ollen Foto, aber ich denke, man kann wenigstens ansatzweise nachvollziehen, dass der Ausblick vom Elephant Mountain auf Taipeh schon etwas besonderes ist. Im Übrigen ist uns an dem Tag auch aufgefallen, dass der Taipeh 101 immer in verschiedenen Farben leuchtet. Mal ist er blau, dann grün, rot oder lila. Und ein anderes Gebäude hatte ein großes Herz auf dem Dach!
Auf der Rückfahrt vom Elephant Moutain zum Wohnheim ergab sich schließlich spontan ein Sonntagsausflug, als Yunha (die Koreanerin) mich einlud, mit ihr und einem Freund von ihr wegzufahren. Meinen ursprünglichen Plan, mich dem Strandausflug der anderen International Students anzuschließen, hatte ich leider kurzfristig aufgeben müssen, weil ich am Freitag so intelligent gewesen war, im Bikini bei Mittagssonne schwimmen zu gehen. Das leicht schmerzhafte Resultat sollte sich von selbst erklären. Ich habe also nur allzugern Yunhas Angebot angenommen. 
 
Die Reise führte uns nach Jiufen, eine alte Stadt, die etwa anderthalb Stunden mit dem Bus von Taipeh entfernt an der Küste gelegen ist. Dort schlängeln sich winzige Gässchen kreuz und quer an einem Berghang entlang. Vollgestopft mit Menschen ist es, von überall her wehen unterschiedlichste Gerüche und es herrscht eine geschäftige Atmosphäre. Je tiefer man in das Labyrinth von schmalen Straßen und Treppen eintaucht, desto uriger werden die Gebäude. Von kleinen Restaurants und Imbissständen über Souvenirlädchen bis hin zu Teehäusern findet sich in der kleinen Stadt nahzu alles. Ganz zu schweigen von dem malerischen Ausblick, der sich uns auf das am Fuße des Berges gelegene Meer bot! Diesen haben wir in einem der zahlreichen Teehäuser mit allen Sinnen in uns aufnehmen können, während wir entspannt unseren traditionell servierten Tee genossen. Fast schon ein wenig kitschig kamen wir uns vor, aber andererseits war es auch irgendwie genau das, was man sich unter "Asien" normalerweise vorstellt. Oder?
Nachdem wir uns endlich von der gemütlichen, meditativen Stimmung des Teehauses hatten losreißen können, sind wir durch die verwinkelten Gassen zurück zur Busstation geschlendert. Natürlich nicht ohne hier und da verrückte Kleinigkeiten zu probieren; zum Beispiel mit frisch gemahlenem Erdnusspulver überstreutes Eis, das in hauchdünnem Pfannkuchenteig eingewickelt war.
Mit dem Bus ging es dann weiter in das etwa zehn Minuten entfernte Bergbaumuseum. Nicht etwa ein Kohlebergwerk, sondern eine alte Goldmine! Inzwischen sind die Goldvorkommen erschöpft und die Mine ist stillgelegt, aber man kann auf dem ganzen Gelände allerhand über den Abbau beziehungsweise die Gewinnung und Raffinerie von Gold lernen. Beim Abendessen konnten wir erneut einen wunderschönen Sonnenuntergang ansehen; diesmal sogar mit Blick aufs Meer! Danach sind wir wieder in den Bus gestiegen und nach Taipeh zurückgefahren. Dabei hat uns die Busfahrt insgesamt gerade mal fünf Euro gekostet. Öffentliche Transportmittel sind hier zwar normalerweise immer im Vergleich zu Deutschland recht günstig, aber es erstaunt mich doch immer wieder aufs Neue. Genauso wie man in nahezu alle Museen umsonst oder zumindest sehr erschwinglichen Eintrittspreisen hinein kommt, insbesondere als Student.